Zwei Irrtümer, die du kennen solltest

Als Kind bin ich noch mit dem Gedanken aufgewachsen, dass eine solide Ausbildung später gut für mich sorgen würde. Doch bereits in den 1990er Jahren kamen Veränderungen auf, welche unser aller Leben maßgeblich prägen sollten.

Das Aufkommen einer neuen Epoche

Erinnerst du dich noch an die ersten Personal Computer?  – Ich erinnere mich noch ganz genau wie fasziniert mein Vater und ich damals von den neuen technischen Errungenschaften waren.

Die darauf folgende Entwicklung nahm so rasant an Tempo zu, dass innerhalb von ein paar Jahren die ganze Welt elektronisch miteinander vernetzt war. Plötzlich konntest du Kontakt mit Freunden in China halten und musstest nicht wochenlang auf deren Post warten. Du konntest dich mehr und mehr selbst informieren und musstest nicht mehr in die Bücherei rennen. Ein Gefühl, dass plötzlich alles machbar war kam auf.

Durch das Informationszeitalter hatten die Menschen auch mehr Möglichkeiten, Ihren Horizont zu erweitern und sich nach alternativen Lebens- und Berufswegen zu informieren. Während meines Studiums kam dann der Begriff der Work-Life-Balence auf, welche maßgeblich von der Generation Y vorangetrieben wurde. Die jungen Menschen wollten keinen 9-5 job mehr. Sie wollten mehr Zeit für ihre Familien haben und suchten nach Möglichkeiten, wie dies trotz Beruf gehen könnte.

Sie fanden alternative Berufswege, wo sie sich erhofften, Privates mit Beruflichen besser vereinen zu können. Unzählige Artikel stiegen auf die Welle mit auf und schrieben über die große-Work-Life-Bewegung: „Finde deine Leidenschaft, und du findest deine Work-Life-Balance“. „Nie wieder arbeiten müssen: mache deine Leidenschaft zum Beruf!“

Zugegeben, auch ich fand mich in diesem Hype wieder, doch die große Welle wollte einfach nicht kommen. Eine zeitlang wollte ich Lehrerin werden, da mir das Nachhilfe-Geben unglaublich viel Spaß machte. So hoffte ich, aus dieser „Leidenschaft“ meinen Beruf machen zu können. Nach der ersten euphorischen Phase kam eine Festigungs-, dann Sättigungs- und schließlich eine „Ich-hab-keine-Lust-mehr“-Phase. So hopste ich von der  Lehrerin, zur Ärztin, dann zur Erzieherin bis hin zur Gärtnerin und noch einigen weiteren Versuchen mehr. Doch irgendwie wollte sich die Leidenschaft nicht einstellen. Völlig frustriert dachte ich irgendwann, dass ich für nichts tauge.

Eines Tages wurde mir bewusst, dass ich den Prozess an sich mehr liebe als die Sache selbst. Dies erklärte auch, warum ich so sprunghaft schien und immer wieder Neues ausprobierte, mich hineinarbeitete und lernte. Wenn ich dann aber „gesättigt“ war, lies mein Interesse merklich nach und ich widmete mein Interesse etwas Neuem.

Ich verstand, dass es nicht darum geht, deine einzig wahre Leidenschaft zu finden. Leidenschaften kann es viele geben.

Es ging vielmehr darum, was ich GUT kann.

Das, was ich gut kann, verbunden mit meinem Interesse, war mein Turbo.

 

Es ist nie zu spät

Der zweite Punkt, den ich dir heute mit auf den Weg geben möchte ist folgender: jungen Menschen wird schon relativ früh beigebracht, dass man sich Gedanken über seine Zukunft machen sollte: „Eine solide Ausbildung ist der beste Garant für ein glückliches und sicheres Leben. Bis zu deinem 30. Geburtstag solltest du dich soweit gefestigt und dafür gesorgt haben, dass dein Leben in ‚geordneten Bahnen‘ verläuft und du den richtigen Weg eingeschlagen hast. Sonst könnte es möglicherweise zu spät für dich sein.“

Kennt ihr Singels, die Ende 30 sind und immer noch wie die Schmetterlinge in der Welt herumfliegen?

Für sie ist vermutlich schon alles zu spät.

Zu spät fürs Familien-Gründen, zu spät fürs Haus bauen, zu spät um einen vernünftigen, sicheren Job zu bekommen.

Da kommt nicht selten ganz schön viel Druck seitens der Verwand- und Bekanntschaft auf.

Fakt ist jedoch, dass es nahezu nie zu spät für irgendetwas ist. – Okay, die 92-jährige Fallschirm-Springerin finde ich doch ein wenig schräg.

Fakt ist aber auch, dass es nicht DEN einen richtigen Weg gibt.

Es gibt unendlich viele!

Einem erfolgreichen Menschen nachzueifern und seine Verhaltensweisen zu adaptieren kann für diesen speziellen Menschen das Richtige sein, für dich aber noch lange nicht. Du hast ganz andere Stärken, Bedürfnisse und Werte. Warum soll dann ausgerechnet dieser Weg der RICHTIGE für dich sein?

Versuche also nicht, dir den Kopf darüber zu zerbrechen, ob dein Lebensweg der Richtige ist, ob du eine Versagerin bist, nur, weil du noch nicht weißt, wohin die Reise gehen soll. Überlege dir die nächsten Schritte, schreite voran, und dann lote wieder von Neuem aus, ob der Weg so für dich noch passt oder ob du ihn ändern möchtest. Auf diese Weise verfällst du nicht in den Irrtum, etwas falsch zu machen. Du hast auch viel mehr die Möglichkeit, dich auszuprobieren und deine Stärken kennen zu lernen.

Das Leben ist ein Abenteuer und kein Problem.

Mache dich auf den Weg und designe dein Leben.

Alles Andere kommt dann von selbst.

Sei mutig. Sei großartig. Sei einfach du selbst.

 

PS: Ich hoffe, du siehst mir die Verspätung nach. Beim Jonglieren meiner zahlreichen Lebensrollen ist mir eine heruntergefallen und ich musste sie noch einmal zusammenflicken 😉

 

 

 

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