Welcher Typ ist dein Kollege?

Was hab ich mich damals über meine Kollegin aufgeregt. Wie konnte sie nur so dreist sein und von mir erwarten, dass ich einfach so das mache, was sie gerne hätte? Und das bitte auf die Art, wie sie es für richtig hält! Ihre „Bitte“ fiel ja nicht einmal in meinen Zuständigkeitsbereich.

Zugegeben, die Kollegin war schon länger in der Firma und wusste, wie die Dinge laufen. Aber das gab ihr noch lange nicht das Recht darüber zu bestimmen, wie ich meine Aufgaben zu erledigen hatte. Sie war schließlich nicht mein Chef!

Persönliche Wahrnehmung

Jeden Tag begegnen wir unterschiedlichen Persönlichkeiten. Im Beruf, im Alltag, privat oder im Freundeskreis haben wir es mit den unterschiedlichsten Charakteren zu tun. Mit dem Einen verstehen wir uns mehr, mit dem Anderen weniger. Das ist ganz normal und auch nicht weiter erwähnenswert.

Wenn es aber darum geht, dass wir mit für uns schwierigen Persönlichkeiten täglich auskommen müssen, weil wir viele Stunden mit ihnen verbringen, dann sieht es schon ganz anders aus. Diese Situationen zu meistern ist nicht ganz so einfach, und manchmal, kosten sie uns sogar ganz viel Energie. Aber warum ist das so? Warum verstehen wir uns mit manchen Menschen richtig gut, während wir mit anderen auf Kriegspfad sind?

Die gelbe Brille

Stellt euch vor, ihr kauft euch eine Fahrradbrille mit gelben Gläsern. Es heißt, sie soll helfen, alles klarer zu sehen. Und im ersten Moment ist es tatsächlich so. Wenn ihr die Brille anzieht, dann hat alles irgendwie einen Gelb-Stich und ihr seht die Dinge kontrastreicher. Mit der Zeit aber merkt ihr den Unterschied nicht mehr, weil ihr euch an die Brille gewöhnt habt. Nach einer Stunde Fahrradfahren kommt es euch so vor, als wäre alles, was ihr durch die Brille seht „normal“. Auch die Farben sehen „normal“ aus. Was würde aber geschehen, wenn euch eine Begleitperson ihre Brille ausleiht. Diese Brille hat jedoch grüne Gläser. Völlig verdutzt würdet ihr die Brille wieder ausziehen und eure eigene wiederhaben wollen. Die eigene Brille ist doch die Bessere.

Im Grunde genommen ist es bei der Wahrnehung von Persönlichkeiten nicht viel anders. Wir nehmen die verschiedenen Charaktere durch unsere eigene „gelbe“ Brille wahr. So erscheint uns eine Person als äußerst dominat, während eine andere zum maßlosen Übertreiben neigt. Dies ist UNSERE Wahrnehmung der Anderen.

Wahrnehmung und Selektion

Solange wir auf Menschen treffen, die auch „gelbe“ Brillen tragen, ist alles gut. Wir verstehen sie, sie verstehen uns. Alles gut.

Wenn wir aber auf Menschen mit einer völlig anderen Wahrnehmungsprägung treffen, dann verstehen wir sprichwörtlich deren Welt nicht mehr. Es tritt Unverständnis, Frust, Ärger, machmal auch Hass auf. Dies kann mehrere Gründe haben: wir hatten noch nie eine „blaue“ Brille an, oder wir können uns einfach nicht mit der „grünen“ Brille anfreunden, auch wenn wir sie schon einmal anprobieren durften. Sie ist und bleibt uns fremd.

So ist es auch mit der Wahrnehmung anderer Persönlichkeiten. Dadurch, dass wir unsere eigene Brille auf der Nase tragen und sie auch nicht ablegen wollen, können wir die anderen Persönlichkeiten auch nur aus unserer eigenen Perspektive betrachten. Dann kommen schon mal Gedanken wie „Der denkt immer nur an sich“, oder „Nie kann sie sich für etwas entscheiden“ oder auch dies „Er will mich echt niedermachen mit seinem ständigen Nachbohren. Jeder macht doch Fehler, oder etwa nicht?“

Das was wir an Anderen wahrnehmen sind die verschiedenen Verhaltenstypen von Menschen. Je nachdem, was für ein Typ wir sind, nehmen wir die anderen unterschiedlich wahr. Aber schauen wir uns mal an, wie die verschiedenen Typen von anderen wahrgenommen werden könnten:

„Mister Perfekt“
Stets bringt er Dinge unverblümt auf den Punkt. Provoziert scheinbar gern, fordert einen klaren Standpunkt. Du hast noch keinen Vorschlag? Die Zeit drängt. Bis morgen legst du mindestens zwei vor! Alles muss am liebsten schon gestern erledigt sein und Gott bewahre, wenn mal ein Fehler passiert. Dann ist die Hölle los! Er selbst würde allerdings niemals einen Fehler zugeben. Wieso auch. Er ist Mister perfekt!

„Der Kleinkarierte“
Deine Arbeit ist nie zu 100% korrekt. Sie ist höchstens okay. Und stets gibt es noch eine Kleinigkeit, die optimiert werden könnte. Am besten ist, du lieferst ihm einen zu 150% ausgearbeiteten Lösungsvorschlag. Obwohl, da wäre noch eine Sache, die nicht in Betracht gezogen wurde. Kühle Distanziertheit, kein Smalltalk, bitte. Das kannst du dir für den Feierabend aufsparen. Und sei dir sicher, wenn er dir vor einem Jahr gesagt hat, dass ihr darüber sprechen werdet, er wird dich daran erinnern! Denn er vergisst NIE etwas.

„Der Unentschlossene“
Sich auf etwas festlegen möchte er zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht. Dafür möchte er die Optionen noch offen halten. Sicher möchte er dir weiter helfen, er braucht nur ein wenig Bedenkzeit um dies intern abzusprechen. Gern könnt ihr nach einem Quartal noch einmal das Thema ansprechen. Oh, da ist dir wohl ein Fehler unterlaufen. Den hast du bestimmt nicht absichtlich gemacht. Er hat Verständnis dafür. Wenn du zukünftig Unterstützung brauchst, kannst du am besten mit einer kompletten Alternativausarbeitung auf ihn zu kommen. Dann kann er die Optionen zukünftig in aller Ruhe prüfen.

Der „Selbstverliebte“
Wie war dein Urlaub? Schön? Wunderbar. Und dann hörst du dir eine halbe Stunde die tollsten Geschichten an. Abgabetermin? Das schaffst du schon. Du bist doch ein Naturtalent! Vorher lässt du dich aber noch kurz belehren, wie es seiner Meinung nach für dich am besten wäre. Er will ja nur das Beste für dich. Nicht, dass du ihn falsch verstehst, aber aus seiner Sicht wäre es das Beste, wenn du seinen Ratschlag befolgst. Schließlich ist er der Beste in diesem Gebiet. Wenn da nicht der drängende Abgabetermin wäre. Aber hej, chacka, wir schaffen das!

So oder so ähnlich könnten die verschiedenen „Typen“ von anderen wahrgenommen werden. Es gibt natürlich zahlreiche Mischtypen und man kann davon ausgehen, dass jeder von uns etwas von jedem der Typen hat. Nur eben in unterschiedlicher Ausprägung. Und du siehst, jeder Typ legt auf etwas Anderes wert. Dies ist auch der Grund, warum wir selektieren. Wir filtern die für uns relevanten Informationen und erachten sie als einzig richtig. Kennst du eine Person, die zu einem der vier Typen passen könnte?

Vielleicht überlegst du für dich, warum es so ist, dass dich bestimmte Personen aufregen? Im nächsten Blog erfährst du mehr dazu.

Sei mutig. Sei großartig. Sei einfach du selbst.

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