Was Schulen deinen Kindern niemals beibringen

Es ist schon makaber. Mein Sohn ist so viele Jahre jünger als ich. Doch er muss durch die gleiche Tortur gehen. Hat sich denn nichts geändert ?! Als ich noch jünger war, glaubte ich, dass ich das System ändern kann. Ich weiß, das war naiv.

Ich studierte dann doch etwas anderes.

Aber der Gedanke, dass System ändern zu wollen, blieb.

Bis heute.

Ich habe einen eigenen Weg gefunden, mit dem Schulsystem umzugehen. Meine Kids können ein Liedchen davon singen. Aber das ist der Vorteil, den ich habe: ich bekomme offen und direkt feedback und lerne und wachse mit ihnen.

Aus meiner Sicht gibt es einige Punkte, die mich richtig aufregen. Hier ein paar davon:

  • Lerntempo ist fest vorgegeben – es gibt kein mal schneller, mal langsamer
  • Es ist strikt vorgegeben, in welcher Reihenfolge Wissen vermittelt wird
  • Einheitliche Lerninhalte berücksichtigen nicht die Interessen der Kinder
  • Fehler machen wird negativ bewertet
  • Kritik äußern auch

Wie können 30 Schüler das gleiche Tempo halten? – Gar nicht. Die Einen langweilen sich und machen Quatsch, während die anderen Quatsch machen, weil sie nicht mithalten können und folglich auch abschalten.

Das, was ich bei meinen Kids miterlebe, sind alles leere Worte. Es sind deshalb leere Worte, weil sie zwar als „Wissen“ in der Schule vermittelt werden, dort aber nicht wirklich „gelebt“ werden. Es ist wie ein Berater mit Schwerpunkt „Start-ups-Aufbauen“, der noch nie eine eigene Firma gegründet hat. Erziehungsratgeber schreiben, obwohl man selbst keine Kinder hat. Eheberater sein, obwohl man ein Gelübte abgelegt hat. Kindern beibringen wollen, selbständig und unabhängig zu denken, und ihnen gleichzeitig vorschreiben, mit welcher Strategie sie die Lösung zu erarbeiten haben. In meinen Augen ist das totaler Nonsens.

Wenn unsere Kinder später erfolgreich durchs Leben gehen sollen, müssen Sie aber folgende Dinge ausprobiert und verinnerlicht haben:

  1. Fehler machen ist wichtig um zu Wachsen!
  2. Übe dich in konstruktiver Kritik – und du entdeckst deine Meinung!
  3. Lerne und übe auch gegen den Strom zu schwimmen – du wirst es brauchen!
  4. Steh wieder auf, wenn du fällst! – Solange du immer wieder aufstehst, hast du nicht verloren. Du stehst so oft wieder auf, bis du gewinnst.
  5. Warte nicht auf andere, sondern suche selbst nach Lösungen!

Bestimmt hast du auch deine eigenen Eckpfeiler der Erziehung. Sie sind wichtig, weil sie deinem Kind Orientierung und Sicherheit geben.

Die faule Socke

Einige Jahre habe ich Kindern und Jugendlichen Nachhilfe erteilt. Ich tat dies gern, weil ich von jungen Menschen fasziniert bin. Jedes Kind ist einzigartig, doch braucht ein Jedes von ihnen auf unterschiedliche Weise Zuwendung und Wertschätzung.
Und jedes dieser Kinder hatte eine andere Einstellung zum Lernen und Wachsen.

Für gewöhnlich muss man Kinder nicht zum Lernen „zwingen“. Wissen wird es sich von alleine aneignen. Dazu ist es geboren. Es ist geboren, um zu Lernen. Dem kannst du bedingungslos vertrauen. Abgesehen von dem Schulstoff, der nunmal vorgegeben ist und für viele Kinder als „Zwang“ empfunden wird, ist das überall zur Verfügung stehende Wissen höchst spannend, wenn es das Interesse des Kindes weckt. Zunächst kann es notwendig sein, dass du deinem Kind hilfst, das Wissen zu erweitern, indem du ihm alles mögliche zu seinem Thema vorliest oder ihm zeigst, was es noch so alles zu entdecken gibt. Später werden die Kids diese Entdeckungstour selbst übernehmen. Du brauchst ihnen nur noch die Möglichkeiten geben, ihr Wissen auf eigene Faust erweitern zu können.

Einer meiner Söhne hatte eine zeitlang ein Faible für Dinosaurier. Er wusste nicht nur alles über diese Tiere, er konnte sie auch excellent aus Büchern nachzeichnen (ein seiner großen Talente ;-)). Wir sind sogar einmal in ein Museum gegangen, nur, weil er sich so sehr dafür interessiert hatte –  von alleine wären wir nie auf die Idee gekommen freiwillig in ein Museum zu gehen! Es gab Tage, da war nichts wichtiger für ihn als sich mit seinem Hobby, den Dinos zu beschäftigen.

Damit ein Kind auch in der Schule interessante Themen für sich finden kann, ist es wichtig, ihm die richtige Einstellung beizubringen. Die richtige Einstellung zum Lernen und zum Leben. Damit meine ich nicht DIE richtige Lösung für alle Kinder gleichermaßen. Ich meine den richtigen Weg für DEIN KIND. Nicht das Nachbarskind, nicht den Klassenkameraden. Einzig und allein für deinen Sprößling.

Dies ist leichter gesagt als getan, ist es doch selbst für uns manchmal schwer zu entscheiden, was richtig und falsch ist. Aber wir dürfen uns nicht darauf ausruhen, diesen Part den Lehrern zu überlassen. Deren Aufgabe ist es Wissen zu vermitteln. Unsere Aufgabe ist es jedoch, unseren Kindern (Übungs-)Möglichkeiten zu verschaffen. Sie müssen üben dürfen, was für sie funktioniert und was nicht. Da sind Perfektionsanspruch genauso fehl am Platz wie die Vorgabe von Lösungen. Oder von möglichen, späteren Laufbahnen.

Es ist schon richtig, dass sowohl in der Schule als auch später im Berufsleben Fehler nicht gern gesehen werden. Aber anstatt uns auf das Fehlervermeiden zu konzentrieren, sollten wir unseren Kindern beibringen, mutig Dinge zu wagen. Wenn Fehler passieren, dann ziehen wir unsere Lehren daraus. Wir ziehen unsere Lehren daraus und wachsen. Ist das nicht viel wichtiger, als Fehler zu vermeiden?

Ebenso wichtig finde ich, Erfahrungen mit negativen Gefühlen wie Frust oder Ärger zu machen und zu lernen, wie man damit umgehen kann. Bei einigen meiner Nachhilfeschüler zeigte sich deutlich, dass sie zu wenig Übungsmöglichkeiten gehabt hatten, wie man konstruktiv mit Frust umgeht. Wie man es verarbeiten kann und dennoch dranbleibt. Das Handtuch werfen und weggehen ist einfach. Sich aber wieder aufzuraffen, es noch einmal zu versuchen, dies ist viel schwieriger. Es erfordert eine gewisse Übung in Sachen Willenskraft, Disziplin und Selbstvertrauen. Wie viel Geduld haben wir mit unseren Kindern, wenn sie zum x-ten Mal etwas nicht schaffen, vergessen oder aufgeben? Wenn wir ihnen nicht ein Vorbild sind in Sachen Beharrlichkeit, Glauben und Zielstrebigkeit, von wem sollen sie es dann lernen? Etwa von dem Lehrer, der einmal im Halbjahr sich die Zeit für ein fünf-Minuten-Gespräch mit dem Schüler nimmt?

Sei geduldig. Gib deinem Kind Zeit. Und es wird lernen und wachsen.

Vom Lernen und Wachsen

Einen Bereich habe ich noch nicht erwähnt.

Dieser Bereich liegt mir besonders am Herzen. Es ist der Bereich, den ich mir hab viele Jahre mühsam erarbeiten müssen. Geprägt durch das Schulsystem und gesellschaftliche sowie familiäre (Denk-)Normen war ich lange Zeit nicht fähig, auch nur ein bisschen quer zu denken. Nirgendwo in der Schule gibt es ein Fach für diesen Bereich. Auch später im Berufsleben wird es dir nicht beigebracht. Es ist vielmehr die wahre „Schule des Lebens“.

Es ist der Bereich des Life designs.

Eine komplett andere Einstellung zum Leben und Arbeiten. Ein Denken in Möglichkeiten, ein mutiges Voranschreiten ins Unbekannte, ein Kurs korrigieren ohne Fehlerdeklaration, ein Glaube an die Freiheit im Denken und Handeln. Eine Selbstverantwortung und eine Selbstüberzeugung, die die Kraft hat, neue Wege zu gehen. Ein nicht abhängig zu sein von den Erwartungen, Enttäuschungen und Zwängen der Gesellschaft. Und dennoch ein unerschütterliches Win-Win-Streben für sich und die Gesellschaft. Es ist ein designing des Lebens nach eigenen Maßstäben.

Kennt ihr solch ein Unterrichtsfach?

Ich bisher noch nicht.

Aber das heißt nicht, dass ich darauf warte, dass irgendjemand auf die Idee kommt, solch ein Fach einzuführen. Ich lehre meine Kinder selbst. Jeden Tag aufs Neue. Sie sind meine Schüler und meine größten Kritiker. Sie bekommen meine eigenen Fehler mit und lernen daraus. Und ich lerne mit. Sie machen Erfahrungen, haben Enttäuschungen und Ärger zu verarbeiten. Doch sie geben nicht auf. Am Ende gehen sie gestärkt ihren eigenen Weg weiter.

Warum sollten wir nicht von Beginn an versuchen, es unseren Kindern beizubringen: wie gestalte ich mein Leben nach eigenen Vorstellungen? Warum immer denken, dass das System und die Gesellschaft sich irgendwann zum Besseren verändern werden, wenn man selbst die Veränderung sein kann?

Welche Veränderung wirst du sein?

Sei mutig. Sei großartig. Sei du selbst.

Tagged with:

Wie denkst du zu dem Thema? Schreibe mir gern deine Meinung :-)

%d Bloggern gefällt das: