Warum du keinen Titel brauchst, um Erfolg zu haben

Ich erinnere mich noch genau, wie überwältigt ich doch war von dem Anblick meines „Dipl.-Kauffrau“ -Titels auf meinem Diplom. Wow! Ich hatte ein Diplom!
Heute liegt das Blatt irgendwo in einem Ordner, eingepfercht zwischen zich anderen Ordnern und siecht sein Dasein in einer dunklen Ecke dahin.

Genützt hat mir das Blatt bloß eine handvoll Mal, um, so dachte ich jedenfalls,  jemand Fremden „beweisen“ zu können, dass ich es drauf habe.

Pustekuchen.
Mit dem Studienabschluss hatte ich lediglich eine Eintrittskarte erworben. Wie eine Eintrittskarte fürs Kino! Ich durfte hineinkommen in die Firma und mich zunächst „wieder“ beweisen. Wie niederschmetternd.

Von Peitschen und Faulpelzen

Kennt ihr Faultiere? – Diese lustigen, äußerst gemütlichen Baumtiere, die sogar so gemütlich sind, dass sie anderen Tierchen ihre Köperhygiene überlassen. Ganz so schlimm ist es bei den Menschen nicht, aber es steckt schon ein Quäntchen Wahrheit hinter dem Wort „Faulpelz“. Der Mensch braucht einen gewissen Anstupser, um seine gemütliche Zone zu verlassen und sich dazu zu überwinden, anzustrengen. Das ist bei unseren Kindern so und bei uns nicht anders. Würde der Mensch nicht einen gewissen Anreiz erhalten, so bestünde für ihn kein Grund mehr als genug zu tun. Für manche besteht der Anreiz in monetärem Ausgleich, für andere die Vermeidung von Angst, für Dritte widerum in der Aussicht auf eine schöne Belohnung.

In meiner Schulzeit hatte ich eine Klassenkameradin, die für jede Eins, die sie schrieb, 10 DM bekam. Man war ich neidisch auf diese verwöhnte Göre, vermied sie doch jegliche Anstrengung, die über das „Einser-Einsacken“ hinausging.

Bei uns Eltern ist übrigens auch das gegenteilige Vorgehen recht beliebt: „Wenn du nicht für die Klassenarbeit lernst, dann kannst du dein Handy für den Rest des Tages vergessen!“ Wie der Kutscher mit der Peitsche treiben wir mit Drohungen  unsere Sprößlinge an, dass sie sich gefälligst mehr anstrengen sollen.

Sicher kennt ihr auch die Vorfreude, wenn ihr euch etwas „Leckeres“ gönnt 😉 – Die mordsmäßige Anstrengung muss mit etwas Besonderem belohnt werden!

Das Problem mit der Abhängigkeit

In meinen früheren Blogs hatte ich bereits darüber geschrieben, dass dieses Vorgehen uns selbst daran hindern kann, Wege zu finden, selbstbestimmter zu leben.

Es macht uns abhängig, und das von Kindesbeinen an.

Wir strengen uns an, weil wir eine „Gegenleistung“ dafür erhoffen: Lob, eine gute Note, eine Gehaltserhöhung, Beförderung, was auch immer. Da wir aber diese Gegenleistung erwarten, können wir unsere Anstrengung folglich nur dann erbringen, wenn diese „Belohnung“ tatsächlich kommt. Sobald sie aber wegfällt, verfallen wir in den Gemütlichkeits-Modus zurück. Wir fallen zurück in alte Gewohnheiten, gönnen uns die eine oder andere Nachsichtigkeit, vergessen, was wir wollten und schließlich bleibt alles beim Alten.

Aus genau diesem Grund gibt es Noten, Gehaltsklassen und Titel. Gemäß dem Motto: „Wenn du dich anstrengst, dann bekommst du auch mehr!“.  Mehr Abhängigkeit, mehr Fügsamkeit, mehr Desorientierung.

Der Unterschied zwischen Titel und Erfahrung

Im Grunde geht es ja gar nicht um den Titel, dass du ihn erreichst. Es ist zwar schön einen Doktor vor seinem Namen stehen zu haben, aber was sagt das über dich aus? Bist du dann erfahrener und weiser als die Anderen? Ich bezweifle es.
Damit du mich nicht falsch verstehst; ich möchte hier niemanden schlecht machen, der sich richtig viel Mühe gemacht hat und auch echt weit gekommen ist. Aber selbst als Geschäftsführer hast du jemanden, der über dir steht und dir Zuckerbrot und Peitsche bieten kann.

Worum es mir hierbei geht, ist vielmehr die Tatsache, WIE dein Denken geprägt ist. Wenn du denkst, dass du einen Doktor brauchst, um Ansehen zu haben und ein klasse Gehalt zu erhalten, dann denkst du in Abhängigkeiten.

Großartiges Leisten kannst du ohne all das.

Dafür brauchst du lediglich die Überzeugung, deine eignen Erfahrungen machen zu wollen und die Bereitschaft aus Fehlern zu lernen.

Wenn du zum Beispiel in deinem Lebenslauf schreibst, was für wertvolle Erfahrungen du bisher gesammelt und welche Lernkurven du erfolgreich überstanden hast, dann werden sich die Menschen am anderen Ende des Tisches für dich interessieren. Dann werden sie genauer hinhören und bei deinen Noten auch mal ein Auge zudrücken.

Im Berufsleben ist Erfahrung das, was du brauchst, um erfolgreich zu sein.
Ein Titel ist da lediglich Mittel zum Zweck. Und wenn du irgendwo hin willst, weil es dein Herzenswunsch ist und du dort deine größten Stärken ausspielen kannst, dann kannst du den Weg über den Titel gehen. Der Titel ist aber nicht dein Fokus, sondern das, was du tust. Du tust es aus freier Entscheidung und aus eigener Überzeugung.

Auf diese Weise bleibst du unabhängig, sowohl in deinem Denken, als auch in deinem Handeln. Du kannst ja jederzeit den Kurs ändern, wenn er nicht mehr zu dir passt. Dann verstehst du auch, dass Diskussionen über „das-gehört-sich-nicht“ und „sowas-gibt-man-nicht-einfach-so-auf“ irrelevant sind, denn es sind die Diskussionen der Anderen. Du bist aber nicht „die Anderen“. Folglich machst du deine EIGENEN Erfahrungen auf deine ganz persönliche Art. Ob mit Titel und Gehaltserhöhung oder nicht. Deiner Motivation zur Umsetzung wir dies kein Härchen krümmen.

Also hör auf dich verrückt zu machen mit den Titeln und Rängen und fang an intensiv Erfahrungen zu sammeln.

Titel können dir nämlich nicht garantieren, dass

  • dir nicht doch irgendwann betriebsbedingt gekündigt wird
  • du tatsächlich Karriere machst
  • du so gut verdienst, dass du fürs Rentenalter ausgesorgt haben wirst
  • du letzendlich genauso austauschbar bist wie alle anderen auch

Im Gegensatz dazu kannst du dich darauf verlassen, dass deine Erfahrungen nie an Wert verlieren werden. Mit Hilfe deiner Erfahrungen kannst du immer wieder einen Job bekommen. Du kannst dir sogar deinen eigenen Job erschaffen.

Zusammen mit dem Wissen um deine Stärken hast du die wichtigsten Bausteine, die du in der heutigen Zeit brauchst, um erfolgreich deinen Weg zu gehen.

Sei mutig. Sei großartig. Sei einfach du selbst.

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2 thoughts on “Warum du keinen Titel brauchst, um Erfolg zu haben”

  • Hallo, ich habe Deinen Beitrag gerne gelesen und irgendwie möchte ich Dir auch zustimmen. Nur gehöre ich eben zu denen, die einen Titel haben. 🙂 Was ich allerdings bestätigen kann ist, dass so etwas nicht überall zwingend erforderlich ist, um Karriere zu machen. Es gibt dennoch Berufszweige, in denen gehört ein Titel quasi zur Grundausstattung dazu. Das hat einfach etwas mit den entsprechenden Gepflogenheiten zu tun und wer den Titel nicht hat, hat es dann eben auch entsprechend schwerer „mitspielen“ zu dürfen. Und manchmal muss man diese eine erste Hürde eben auch nehmen, um in dem jeweiligen Beruf oder Arbeitsbereich seinen Weg weiter gehen zu können. Ich hätte meinen Titel in der Tat nicht gebraucht. Meinen Wunscharbeitsplatz hatte ich schon, bevor ich den Titel hatte. Aber, und das spüre ich jetzt eben doch ganz klar, er hat schon Vorteile. Zum einen wirkte es sich schon im Bewerbungsgespräch damals positiv aus, dass ich dieses Ziel hatte und jetzt ist es im Umgang mit eben jenen Kollegen einfacher, die denselben Beruf wie ich ausüben und nahezu alle einen Titel tragen. In dem Punkt ist die Außenwirkung dann doch nicht zu unterschätzen.
    Worin ich Dir dennoch zustimmen muss ist, dass es nur Sinn macht, die Zeit für das Erreichen eines solchen Titels zu opfern, wenn es auch ein wenig Spaß macht. Ich hätte mir dieses Ziel auf keinen Fall gesetzt und wahrscheinlich auch nicht erreicht, wenn mich die wissenschaftliche Arbeit so gar nicht interessiert hätte. Dann wäre es nur eine Qual gewesen und ich hätte meine Zeit sinnvoller verbringen können. Das sehe ich genauso. Lieben Gruß, Martamam

    • Hallo Martamam,

      vielen Dank für deinen ausführlichen Kommentar!
      Ich weiß, was du meinst. Ich komme aus dieser Welt, wo ich erst dann den nötigen „Respekt“ erhalten hatte, als ich den entsprechenden „Nachweis“ liefern konnte. Meine provokativen Beschreibungen sollen in keinster Weise die Menschen kritisieren, die den Aufwand auf sich nehmen, um beruflich vorankommen zu können. Ganz im Gegenteil!
      Was ich vielmehr ausdrücken wollte, bezieht sich auf bereits festgetrampelte Wege und das Denken, dass man diesen einen Weg gehen MUSS.
      Ich erhoffe mir, den Lesern da draußen Mut machen zu können, auch einmal Wege außerhalb der gesellschaftlichen Norm auszuprobieren. Wenn du schreibst, dass es notwendig ist, einen Titel zu haben, um gleichauf mit den Anderen zu sein. Wie könnte man die Arbeitswelt dort draußen auf eine völlig neue Art aufmischen? Vielleicht kannst du ja aufgrund deiner Position Veränderungen bewirken. 😉
      Wenn aber jeder nur den Status Quo bestätigt, dann trampeln wir alle auf der Stelle.

      Gern können wir uns auch weiter darüber unterhalten. Ich finde, dies ist eines der spannendsten Themen zurzeit. Schreib mir gern: khiwa@gmx.de

      Liebe Grüße,
      Ewa

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