Warten auf den magischen Moment

Zugegeben, warten ist nicht meine wahre Stärke. Hat es doch etwas von „ausgeliefert-sein“ an sich. Man wartet und hat keinen Einfluss darauf, wann sich das Warten auszahlt. Natürlich hofft man, dass sich der Wunsch insgeheim so schnell wie möglich erfüllt, jedoch weiß man nicht, wann dies geschehen wird. Ob man jetzt auf den Bus wartet, darauf, dass das allein nach Hause laufende Kind wohlauf heimkommt, die beworbene Firma sich zurückmeldet oder man endlich mit seinem Projekt starten kann. Warten. Nicht gern gesehen.

Leben im Zeitraffer

Es scheint schon fast, als wäre uns das Warten irgendwo auf dem Weg abhanden gekommen. Tagein, tagaus versuchen wir unsere freien Minuten mit sinnvollen Dingen vollzustopfen um das gute Gefühl zu haben, produktiv gewesen zu sein. Selbst abends, wenn wir eigentlich Zeit hätten, stopfen wir die Lücken mit Fernsehen oder Websurfen voll, denn man will ja stets auf dem Laufenden sein. So fragt einen die gute Freundin oder der gute Freund: „Und, was hast du so gemacht?“ Da merkt man, dass man sich kaum an etwas erinnern kann. Die Wochen verfliegen, gefühlt, bin ich noch im September, doch Sonntag ist schon der 2. Advent!!! Wo ist bloß die Zeit geblieben?!

Den Sinn verloren

Was hatten es unsere Großväter und Großmütter einfacher. Sie hatten noch kein Internet, kein Telefon und vermutlich zu Beginn auch keinen Fernseher. Mein Großvater konnte sich erst als Erwachsener Mann ein Fahrrad leisten! Da hatte man viel freie Zeit zum Nachdenken, zum Müßiggang, zum Warten. Denn wenn die Arbeit getan war, und diese war nicht selten schwerer körperlicher Art, dann konnte man zufrieden den Körper ruhen und den Gedanken freien Lauf lassen. Ach waren das schöne Zeiten….

Zugegeben, diese Zeit hatte auch ihre Tücken, jedoch möchte ich den Fokus darauf legen, sich bewusst Zeit zu nehmen. Zeit zu nehmen um Nachzudenken, zum Warten oder einfach nur zum Überlegen, ob das, was man tagein, tagaus macht, einem sinnvoll erscheint.
Sicherlich ist die Arbeit sinnvoll, die Kindererziehung und -unterstützung auch, aber ergibt die Konstellation, wie sie jetzt ist, für mich persönlich auch einen Sinn?

Wahrnehmung schärfen

Wir Menschen neigen dazu, Dinge zu kopieren, nachzumachen und der Bequemlichkeit halber einfach zu übernehmen. In der heutigen Zeit sind diese Eigenschaften nicht selten DER Zeitmanagementfaktor schlechthin! Dadurch, dass wir Sachen von Anderen übernehmen, wo wir meinen, dass diese sinnvoll sind, sparen wir uns Zeit. Wir sparen uns Zeit selbst darüber Gedanken zu machen, sich zu informieren, auszuprobieren und möglicherweise sogar falsch zu liegen. Wir bevorzugen die schnelle Lösung und erlauben uns nicht, auf eine für uns gute Lösung zu warten. Mit der Zeit werden die äußeren Meinungen, Routinen und Vorgehensweisen zu unseren und wir merken dies nicht einmal: weil alle Eltern der Laufgruppe einen bis zwei Tage in der Woche investieren, um ihre „Kleinen“ sicher zur Schule zu begleiten, fühlst du dich verpflichtet, dem beizusteuern, da dein Kind ebenfalls in der Gruppe mitläuft. Ehe du dich versiehst läufst du Woche für Woche in der Gruppe mit und kommst dafür regelmäßig zu spät zur Arbeit.

Was wir bei aller Zeitersparnis aber nicht merken ist, dass wir aufgehört haben, über uns selbst nachzudenken. Nachzudenken, worauf wir uns freuen. Nachzudenken, welche Momente uns glücklich gemacht haben. Nachzudenken, wohin wir überhaupt wollen.
Schade, denn dadurch geht uns unsere Wahrnehmung der ganz besonderen Momente ein Stück weit verloren. Momente, die uns passieren, in denen wir einfach nur glücklich darüber sind. Momente, in denen wir merken, dass wir schon lange darauf gewartet haben. Momente, die es wert sind, voller Hoffnung erwartet zu werden.

Glaube und Vertrauen 

Auch wenn ich ein praktisch denkender Mensch bin, so hab ich doch einige Momente erleben dürfen, die mich wirklich zum Nachdenken brachten. Ich bin wie bereits erwähnt nicht gerade ein geduldiger Mensch und hätte alles am liebsten schon vorgestern. Jedoch hat mich das Leben bereits ein paar Mal „gezwungen“ einfach nur zu WARTEN. Dies kann sehr zermürbend sein, da man nichts tun oder ändern kann, man kann einfach nur warten. Ich habe dies als Strafe meiner Person interpretiert und quälte mich nicht selten mit meiner eigenen Ungeduld. Bis zu dem Moment, wo mir ein weiser Mensch sagte, dass ich auf den Moment einfach nur warten soll. Ich solle darauf vertrauen, dass dieser Moment kommen wird und in der Zwischenzeit alles dafür tun, dass die Wahrscheinlichkeit steigt, dass der Moment kommen kann. Wenn es dann soweit ist, werde ich es merken. Ich werde den magischen Moment spüren…

Es brauchte noch mindestens drei solcher „magischen Momente“, dass ich anfing, diesem ungeschriebenen Gesetzt wahrhaftig zu vertrauen. Hätte diese liebe Person nicht meine Wahrnehmung geschärft, für das, was ich mir innerlich am meisten wünsche, so wäre ich gnadenlos an meinen magischen Momenten vorbeigerauscht. Dabei ist es gar nicht so schwer, auf den magischen Moment zu warten, wenn man erst einmal gelernt hat, zu vertrauen. Wie der Kapitän darauf vertraut, dass der Wind für den Antrieb seines Segelschiffes schon kommen wird, kannst auch du lernen, darauf zu vertrauen, dass der magische Moment kommen wird.

Vertrauen, das bedeutet auch, sich selbst zu vertrauen. Vertrauen darauf, dass man die richtigen Dinge tut. Dinge, die einen voranbringen in die Richtung, die einem Sinn geben. Dafür muss man aber Nachdenken. Nachdenken darüber, in welche Richtung man gehen möchte, was man sich (vom Leben) wahrhaftig wünscht und wo das Herz einen freudigen Sprung macht, wenn man daran denkt.

Plötzlich ist er da, der magische Moment! Du musst bereit sein, denn er kommt nicht wieder. Der Moment, wo du merkst, dass dein Wunsch einen entscheidenden Antrieb bekommt, die Segel mit frischem Wind gefüllt werden. Du fühlst dich aufgeregt und ängstlich zugleich. Vielleicht merkst du sogar schon das innere große „JA“. Dies fühlt sich sehr richtig an und du hast das Gefühl, du könntest platzen vor Freude. Nutze diesen Moment und gehe dann den nächsten Schritt, denn er gehört dir.

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