Unwissenheit ist ein Geschenk, wenn man es zu nutzen weiß

Kleinen Kindern sagt man oft nach, dass sie naiv, unerschrocken und unwissend seien. Doch das scheint sie nicht zu stören. Ganz im Gegenteil: mutig und entschlossen nehmen sich die Kleinen vor, die Welt zu erkunden, und zwar auf ihre ganz persönliche, eigene Art. Oftmals fallen sie auf die Nase, kriegen mächtig Ärger oder müssen ihre Pläne neu überdenken. Doch sie lernen in jeder kostbaren Minute dazu. Jeder Fehlschlag, jede falsche Richtung ja sogar jeder falsche Gedanke wird als solcher aufgenommen, verarbeitet und neu sortiert. Man kann Kindern förmlich beim wissbegierigen Lernen „zuschauen“.

Habt Ihr im Gegensatz dazu schon mal Erwachsenen beim Lernen zugeschaut? – Nicht selten hört man dann Kommentare wie „Das ist unmöglich.“, oder „Das kann ich mir nie merken.“, über „Wieso soll ich das noch lernen? Ich weiß Bescheid und genug, um gut zu sein.“ bis hin zu „Das haben wir aber anders gelernt“. Ziemlich viel Widerstand, den man da zu hören bekommt. Aber warum ist das so?

Rein von der Entwicklung des Gehirns betrachtet ist ein Neugeborenes wie ein junger Baum, der wenige Wurzeln hat und wo sich das Wurzelgeflecht noch bilden muss. Die Synapsen der Nervenbahnen bilden sich noch aus und es müssen millionen von Verbidungen geschaffen werden. Verbindungen, die durch Beobachten, Wiederholen und Einprägen geschaffen werden. Beim Erwachsenen sind diese Nevbenverbindungen im Gehirn größtenteils ausgebaut und es gibt „bevorzugte“ Bahnen, die wie richtig schnelle Autobahnen fungieren, und Bahnen, die weniger oft benutzt und geprägt wurden, welche das Gehirn weniger gern benutzt. Wenn es nun darum geht, etwas Neues zu Lernen oder Neues zu schaffen, tut sich das Gehirn zunächst schwer, da es „ungewohnte“ Wege gehen muss. Der Mensch tendiert nämlich dazu, Dinge zu sortieren, zuzuordnen und gewohnheitsmäßig zu wiederholen. Dies erleichtert ihm den komplexen Alltag zu bewältigen. Ein bewusstes Aufsuchen von neuen, ungewohnten möglicherweise beängstigenden Pfaden würde der Mensch nicht automatisch und von selbst tun. Dies erklärt auch den Widerstand von Erwachsenen, wenn Sie mit Neuem, Ungewohnten und Unvorhergesehenem konfrontiert werden. Sie blocken erst mal ab. Nicht selten ist der Widerstand so ausgeprägt, dass diese Erwachsenen sogar zu wissen meinen, was für dich das Beste wäre. Sie haben ja viel mehr Erfahrung und wollen dich nur vor Niederlagen bewahren. Sicherlich haben sie auf ihre Art und Weise recht, jedoch nehmen sie sich das Recht, ihre Perspektive ebenfalls auch für dich gelten zu lassen.

Wenn ich sage, dass Unwissenheit ein Geschenk sein kann, dann meine ich damit, dass es manchmal sogar äußerst hilfreich ist, etwas NICHT zu wissen. Ganz einfach aus dem Grund, dass diese Unwissenheit einem ermöglicht, Dinge auszuprobieren, zu testen und zu wagen. Es ist die kindliche Neugier und der unerschrockene Mut, der uns ermöglicht, neue Pfade zu gehen, etwas Unbekanntes auszuprobieren und es tatsächlich auch zu tun. Denn sobald die eingetrampelten Pfade allzu sehr routinemäßig gepflegt wurden, ist das Betreten von unbekannten und neuen Pfaden schier unmöglich. So hört man dann Sätze wie „Wenn die Umstände anders gewesen wären, hätte ich es auch gewagt.“ oder „Ich hatte keine andere Wahl“ oder oder.

Solange du aber noch nicht alles weißt und es dir eingestehst, bleibst du offen für neue Wege und bringst den Mut auf, es auszuprobieren. Also, steh zu deiner Unwissenheit und wage das, was andere nicht zu tun wagen! Mach es einfach, dann bist du bereits eine oder einer der Wenigen, die aus der Unwissenheit ein Geschenk machen. Ich wünsche Dir viel Erfolg dabei 🙂

 

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