New Work – eine neue Chance für jeden?

Wir Menschen sind schon witzig. Sobald sich größere Veränderungen ankündigen, lassen sich genau zwei Phänomene wirklich immer beobachten.
Welche Auswirkungen die Veränderungen der New Work – Bewegung auf uns haben und wie wir unsere individuelle Rolle dabei finden können, erfährst du im heutigen Beitrag.

Zwei Gegenspieler

Nehmen wir an, Apple kündigt die Vorstellung seines neusten Produktes an.

Wie sind die Reaktionen?

Unmittelbar nach der Ankündigung hört und sieht man die ersten Reaktionen der „Early Adobters“: neue technische Gadgets werden mit Neugier und Begeisterung inspiziert und wenn möglich schon bald beschafft, sobald das Produkt verfügbar ist. Es wird in sozialen Netzwerken geshared und getwittert, was das Zeug hält: „Yeah, schaut her, ich habe das neuste Apple Gadget. Ich bin ein Trendsetter!“ Irre dich bitte nicht in der Annahme, dass dies vorwiegend die jüngere Generation ist, die so handelt. Auch von den anderen Generationen gibt es genügend early adopters, sie handeln möglicherweise subtiler und nicht ganz so offensiv. Der Familienvater, der sich ein High-End-Bike gönnt, der Rentner, der sich für den neusten Mercedes interessiert, die Nachbarin, die das neuste Thermomix-Modell besitzt, noch bevor du überhaupt darüber gehört hast, dass es auf den Markt herausgekommen ist.

Die zweite Fraktion ist das genaue Gegenteil: wozu der ganze Schnickschnack? Hat bisher doch alles wunderbar funktioniert. Man muss nicht jeden Hype mitmachen, vor allem nicht, wenn dieser noch nicht ausgereift ist – Samsung ist da der beste Beweis dafür, dass sich eine gesunde Skepsis lohnt, nicht wahr?

Selten, wirklich selten trifft man auf Menschen, die beide Positionen beziehen. Schwierig ist es für diese Personen, weil sie dazu neigen könnten, sich gar nicht zu entscheiden. Sie können sich für beide Seiten begeistern und es fällt ihnen dementsprechend schwer, sich für eine Seite zu entscheiden. Möglicherweise hatten sie früher mal einen Traum, aber aufgrund von Unsicherheiten, ungewissen Faktoren und gewissen Risiken haben sie ihre Entscheidungen bis dato nicht getroffen. Weder in die eine noch in die andere Richtung.

Eine neue Bewegung

Was bei der Einführung neuer Produkte gut zu beobachten ist, spiegelt sich auch in der Arbeitswelt wieder: Digitalisierung und seine weitreichenden Auswirkungen sind da ein gutes Beispiel dafür. Unternehmen sehen sich mehr und mehr dem Druck ausgesetzt, flexibler und schneller in ihren Prozessen und Organisationsstrukturen zu werden. Dies geht nicht ohne grundlegende Veränderungen. Denn eins ist klar, ein bisschen hier ein bisschen da verbessern hilft schon lange nicht mehr.

Ich vergleiche es ganz gern mit der Entwicklung eines Menschen. Es kommen Phasen, die Umbrüche und Veränderungen zwangsläufig mitbringen, und ob du es willst oder nicht, du musst dich weiterentwickeln. Andernfalls bleibst du rückständig und verkümmerst.

Also was tun?

Ähnlich wie ein Mensch, der wächst, seinen Horizont erweitert, sich ausprobiert und mehr Verantwortung übernimmt, kann auch eine Firma wachsen und sich weiterentwickeln. Vorausgesetzt, sie ist sich dessen bewusst, dass Menschen unterschiedlich auf Veränderungen reagieren, kann die Digitalisierung eine wahrhaftige Chance sowohl für Unternehmen als auch für uns und unsere individuelle Lebensgestaltung sein.

Genau dies beschreibt auch ziemlich gut die New-Work Bewegung.  Sie hat zum Ziel wirtschaftliche Veränderungen und Rahmenbedingungen mit verstärkter Eigenverantwortung, Flexibilität und erhöhter Reaktionsfähigkeit von Unternehmen und deren Mitarbeitern zu begegnen.

Es gibt zwei Voraussetzungen, die dafür gegeben sein müssen. Sie betreffen nicht nur die Unternehmen, sondern auch uns selbst.

Reifegrade

Ein bisschen belächelnd schaut man auf die Generation der Millenials, scheint sie doch fernab unserer Welt zu sein. Die Digitalisierung quasi mit der Muttermilch aufgesaugt, spielt diese junge Generation mit den Möglichkeiten, die ihnen die digitale Welt bietet.

Ganz anders die ältere Generation der Babyboomer, welche mit Vorsicht und Unsicherheit sich die digitale Welt antrainiert, um nicht hinterherzuhinken. Beide Generationen sind höchst verschieden, doch haben sie eins gemeinsam: um sich in der digitalen Welt autark bewegen zu können, müssen sie einen bestimmten Reifegrad durchlaufen. Diesen Reifegrad ermöglicht die New-Work-Bewegung.

Worum geht es konkret?

Nehmen wir an, die junge Generation kommt auf den Arbeitsmarkt und findet nicht das vor, was sie aus der digitalen Welt findet: Verfügbarkeit von Informationen, Flexibilität und Schnelligkeit. Stattdessen herrscht Informationsmangel, Hierarchien und eine gewisse Prozessträgheit vor. Ein Kulturschock entsteht, der sich aktuell in den hohen Abbruchzahlen von Auszubildenden wiederspiegelt.

Ganz anders die ältere Generation, kurz vor dem Rentenbeginn stehend, fühlt sie sich überrannt von der schnellebigen, oberflächlichen Welt der Digitalisierung. Autarke Teams? Keine Hierarchien? Eigenverantwortung? Wie soll das gut gehen? Da macht ja jeder was er will!

Was diese beiden Generationen erwartet ist ein Mindshift, der begleitet stattfinden sollte, damit beide in ihre neuen Rollen hineinwachsen können. Sebastian Purps-Pardigol hat die Voraussetzungen einer gelingenden digitalen Transformation in Unternehmen genauer untersucht und fand zwei wichtige Erkenntnisse heraus:

  1. Digitale Transformation ist ein Mittel zum Zweck, nicht das Zentrum. In Wirklichkeit hat Veränderung mit Menschlichkeit und dem Menschen ganz konkret zu tun. Im Zentrum steht dabei ein Kulturwandel.
  2. Jeder Mensch braucht das Gefühl von Verbundenheit und Mitgestaltung.

Digitale Transformation kann dann gelingen, wenn Unternehmen es schaffen, ihren Mitarbeitern einen gewissen Grad an Reife zu ermöglichen durch einen Kulturwandel innerhalb des Unternehmens. Erst dann können diese Mitarbeiter den Reifegrad ihrer Firma zum Beispiel durch neue Prozesse und Strukturen aktiv verändern.

Wie oben bereits beschrieben, tut sich jeder Mensch unterschiedlich schwer mit größeren Veränderungen. Dies sollte unbedingt berücksichtigt werden.

Auch Gerald Hüther wird nicht müde darüber zu erzählen, dass diese Reife des Menschen unabdingbar ist für ein erfülltes, selbstbestimmtes und eigenverantwortliches Leben. Wenn da nur nicht die zahlreichen Verlockungen des alltäglichen Lebens wären…
Leider verlernen wir alle während der Schulzeit, unsere Individualität wahrzunehmen und Verantwortung für uns selbst zu übernehmen. Er spricht davon, dass wir als „Objekt“ degradiert werden und in der Folge der jahrelangen Erfahrung dessen, auch anfangen, andere Menschen als Objekte zu betrachten.

Bestes Beispiel sind Nachbarn, die sich darin toppen wollen, wer wohl das beste Auto, das größte Haus, die besten und vorbildhaftesten Kinder hat.

Neurologische Untersuchungen zeigen auf, dass in den Momenten, wo wir nicht als Mensch, sondern als Objekt behandelt werden, Regionen im Hirn aktiv werden, die für die Schmerzwahrnehmung verantwortlich sind. Wie oft hören wir Geschichten aus unserem Umfeld, wo Menschen sich als „nur eine Nummer“ auf der Arbeit wahrnehmen? Diese Wahrnehmung ist für den Menschen real nachweisbar im Gehirn, so, als ob dieser Mensch echten Schmerz spüren würde.

Es gibt bei dem ganzen Hype um die New Work Bewegung also zwei Dinge zu beachten:

  • Den Reifegrad des Unternehmens
  • Den Reifegrad der Menschen, die das Unternehmen ausmachen

Meine Beobachtungen sind, dass der Übergang von einem klassischen Arbeitsverhältnis hin zu neuen digitalisierten Prozessen und Strukturen im Sinne des New Work eine echte Herausforderung sind, nicht nur für die Unternehmen, sondern in erster Hinsicht für die Menschen, die einen Paradigmenwechsel anstreben müssen. Dies wollen manche gar nicht. Entweder aus Angst oder auch Gemütlichkeit oder schlichtweg aus Mangel an Informiertheit.

Wie siehst du das?

Arbeitest du in einem klassischen Arbeitsverhältnis oder bist du mitten drin in einem spritzigen, agilen Unternehmen, dass seinen Mitarbeitern sowohl maximale Freiheit als auch maximale Verantwortung zumutet?

Ich wünsche dir eine fantastische neue Woche.

Sei mutig. Werde großartig und bleib einfach du selbst.

Deine
Ewa

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