NEIN sagen kann doch jeder, oder etwa doch nicht?

Es ist eigentlich eine ganz banale Situation: Elternabend in der Schule der Kinder. Es geht um die Planung und Vorbereitung des Klassenfestes. Verpflegung sowie Örtlichkeit müssen koordiniert werden. Zahlreiche Eltern haben sich bereit erklärt, Kuchen, Snacks und Getränke mitzubringen. Du bist noch froh, dass du diesmal davonkommst und mal nichts machen musst und schweigst zufrieden. Als plötzlich eine Stimme deinen Namen nennt:“Du hast das beim letzten Mal so gut organisiert. Ich bin davon überzeugt, dass du die Richtige für diese Aufgabe bist. Hast du Zeit und Lust, die Aufgabe zu übernehmen?“ Etwa dreißig Augenpaare drehen sich nach dir um. Durch deinen Kopf schießen hunderte Gedanken und du willst auf keinen Fall diese Aufgabe übernehmen. Zurzeit hast du selbst genug um die Ohren: auf der Arbeit leistest du Rekordüberstunden, nach Feierabend hilfst du deinen Eltern beim Umzug und wenn du abends endlich Zeit findest, dann lernst du für deine Fortbildung. Doch stattdessen hörst du dich sagen:“Na gut, ich mach es gerne.“ Was ist geschehen? Du wolltest doch eigentlich nein sagen, und zwar klar und deutlich. Statt dessen hast du dem Druck nachgegebn, den gesellschaftlichen Erwartungen entsprechen zu müssen.

So oder so ähnlich erging es mir früher, wenn ich zu Dingen ja sagte, obwohl ich NEIN meinte. Kennt ihr das auch? Plötzlich schießen einem tausende Gedanken durch den Kopf, man ist gewillt, das zu tun, was man für richtig hält. Doch letztlich entscheidet man etwas ganz anderes. Etwas scheint die Kontrolle über uns zu haben, und uns eine Zwangsjacke aufzubürden, welche verhindert, dass wir frei entscheiden können. Diese Zwangsjacke ist voll von Ansprüchen, Meinungen und Gepflogenheiten, wie sie in unserer Gesellschaft von Kindesbeinen an gepredigt und von Generation zu Generation weitergegeben werden. Hat man da überhaupt eine Wahl, anders zu denken und zu handeln? – JA, man hat die Wahl. Es ist eine ganz wichtige Wahl, die wir für uns selbst treffen müssen. Diese Wahl stärkt und schützt unseren inneren Kern: unsere ganz persönlichen Werte, Vorstellungen und Regeln. Unsere Überzeugungen, Leidenschaften und Abneigungen. Vor allem aber sichert sie unsere ganz persönliche Vorstellung davon, wie unser Leben sein soll. Niemand kann dir sagen, was für dich richtig ist, ob du dieses oder jenes machen oder lieber sein lassen solltest. Selbst nicht dreißig Augenpaare, die erwartungsvoll auf dich blicken und hoffen, dass du diese ehrenamtliche Aufgabe natürlich dankend annehmen wirst. Anja Förster und Peter Kreuz schreiben in ihrem neuen Buch genau über diese Entscheidung.  NEIN: Was vier mutige Buchstaben im Leben bewirken können  Im Grunde geht es nämlich darum für sich selbst zu entscheiden, was man im Leben will und was eben nicht. Dies nach außen und entgegen der gesellschaftlichen Normen zu vertreten erfordert Mut und Überzeugung. Denn nur, wenn wir bewusst zu manchen Dingen nein sagen, können wir unserem großen JA treu bleiben. Ein wunderbares Gefühl! Ich stimme hier Förster & Kreuz vollkommen zu. Seitdem ich mir dies klar gemacht habe, ist vieles leichter geworden und ich habe kein schlechtes Gewissen, auch mal nein zu sagen.

Diese Überzeugung ist mir sehr wichtig, weshalb ich bereits in meinen vorherigen Blogs ebenfalls darüber geschrieben habe. Wenn wir uns nämlich aufmachen, unseren eigenen, ganz persönlichen Weg zu gehen, brauchen wir beides: unser ganz großes JA zu unserem eigenen, persönlichen Lebensweg, aber auch die vielen neins, die uns auf diesem Weg behindern würden. Machen wir uns klar, dass es nicht unsere Aufgabe ist, everybodys darling zu sein. Unsere Aufgabe ist es, unseren ganz persönlichen Weg zu gehen. Ganz getreu unserem Workshop-Motto: „I do it my way!“.

In diesem Sinne wünsche ich euch ein schönes Wochenende und eine aufschlussreiche neue Woche voller großer JAs und entschiedener neins.

 

 

 

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2 thoughts on “NEIN sagen kann doch jeder, oder etwa doch nicht?”

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