Motivationale Flaute

Der Herbst neigt sich dem Ende zu und der Winter klopft schon leise an der Tür. Die kalte Jahreszeit beginnt. 

Irgendwie stellt sich unser Körper in dieser Zeit automatisch um. Wir haben plötzlich wieder Lust auf eine heiße Schokolade, auf Lebkuchengebäck und auf Kerzenschein. Das warme gemütliche zu Hause lockt daheim zu bleiben und es einem schön gemütlich zu machen. Die Lust nach draußen zu gehen und sich zu bewegen schwindet mit jedem Tag, sogar bei unseren Kindern.

Eigentlich schöne Gedanken, wenn da nicht das schlechte Gewissen wäre: ich wollte heute eigentlich ne Runde Laufen gehen, den Garten winterfest machen, zu Fuß zum Supermarkt „spazieren“. Was ist denn aus unserer Motivation geworden? Es handelt sich wohl um eine klassische motivationale Flaute. Man hat nicht den Elan, den man im Sommer hatte, und wenn die Motivation nicht da ist, dann ist es sooooo unglaublich schwer, sich selbst zu disziplinieren. Wohl wahr.

Aber ich denke nicht, dass es uns an Motivation mangelt. Es ist viel mehr eine weit verbreitete Verwechselung zwischen Motivation und Überzeugung. Motivation entsteht ja aufgrund eines Motivs. Dieses Motiv ist höchst individuell und von Mensch zu Mensch verschieden. Der Eine fühlt sich durch reine körperliche Aktivität motiviert, der Andere durch pures Nachdenken. Was Einen innerlich triggert ist demnach sehr unterschiedlich. Aus diesem Grund kann Motivation meiner Überzeugung nach nie von außen kommen. Sie wird innerlich aktiviert durch das Vorhandensein von bestimmten Motivatoren, sogenannten Rahmenbedingungen. Der Aktive wird sich demnach wohl fühlen, wenn er körperlich aktiv werden kann, während der Denker nach dem vielen Grübeln zwar eine Pause brauchen wird, aber sichtlich happy schauen wird. Diese Art Motivation zu erleben benötigt demnach keinen Antrieb. Es ist eher umgekehrt, dass die eigenen Motive einen selbst zur Erfüllung drängen. Und diesen Drang, diese innere Unruhe spürt man umso stärker, je weniger man diesen starken innerlichen Motivatoren Raum lässt. Was meint ihr, warum so viele Menschen erzählen, dass sie nur in ihrer Freizeit Sinn und Erfüllung erfahren? – Im Job finden ihre starken inneren Motive keine Entfaltung, weshalb die Menschen diesen in ihrer Freizeit Raum geben (müssen).

Folglich muss man sich bei Schneeregen auch nicht zum Laufen „motivieren“. Wenn es kein starkes inneres Motiv für körperliche Aktivität gibt, dann fällt es einem schwer diszipliniert zu sein, sehr schwer sogar. Womit wir bei der Überzeugung wären. Überzeugung ist in diesem Sinne eine bewusste Entscheidung FÜR etwas. Wenn ich zum Beispiel davon überzeugt bin, heute Laufen zu gehen, obwohl es draußen eisig ist und regnet und ich überhaupt keine Lust dazu habe, dann habe ich mich dafür entschieden. Und wenn ich mich dafür entschieden habe, dann folgt die Handlung und es bedarf keiner Motivation, sondern Disziplin. Erkennt ihr den kleinen feinen Unterschied? Ich finde ihn sehr wichtig, da wir andernfalls dazu neigen könnten, uns selbst etwas vorzumachen. Wenn ich also nicht unbedingt einen inneren Drang verspüre Laufen gehen zu MÜSSEN, weil mein Körper regelrecht danach schreit, dann brauche ich innere Überzeugungskraft, um es dennoch zu tun.

Motivationale Flaute hin oder her, habt ihr mal ernsthaft darüber nachgedacht, was eure stärksten inneren Motive sind? 

In diesem Sinne wünsche ich euch ein wunderbares Wochenende.

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