Lerne, deine Fehler zu lieben und vergiss den Perfektionismus

Um es gleich vorneweg zu sagen: ich hasse es, Fehler zu machen und kämpfe nach wie vor mit meinem Perfektionismus. Aber ich habe auch verstanden, was für ein wunderbares Geschenk Fehler sein können.

Geprägt durch das jahrelange Bildungs- und Erziehungssystem hatte ich einen Automatismus in mir, der jegliches Fehler machen zu vermeiden versuchte. Ich merkte nicht einmal, dass ich mir selbst zusätzlich Druck machte. Wie denn auch, wenn Fehler stets negativ bewertet und „Fehlerlosigkeit“ belohnt wurde.
Ich bin diesem Automatismus erst dann auf die Spur gekommen, als ich einen Spiegel vorgehalten bekam und mein eigenes Verhalten anfing zu reflektieren.

Was Glaubenssätze mit inneren Stressoren zu tun haben

In dem Glauben, dass dies normal war, kam ich viele Jahre nicht einmal auf die Idee, dass man auch anders denken kann. Ich war ziemlich leichtgläubig und naiv was dies anbetaf. Doch ich hatte während meines Studiums Erfahrungen gemacht, die mich wachrütteln ließen. Körperlich und geistig erschöpft und am Rande eines Zusammenbruchs musste ich mir selbst eingestehen, dass das Vermeiden von jeglichen Fehlern mich irgendwann in die Klapse bringen würden, wenn ich nicht die Reißleine zog. Es war eine Zeit, wo meine beiden Knirpse noch recht klein waren, einer davon frisch gebacken, und ich mehrere Projekte noch „nebenbei“ stemmen musste. Zumindest dachte ich, dass ich alles (allein) schaffen muss. So mein innerer Glaube. Als sich die Fehler häuften, fing ich an zu verzweifeln.
Und mit dem Wachsen der Verzweiflung kam der Zweifel.

Ich zweifelte daran, dass ich alles immer schaffen muss, vor allem, dass ich immer alles ALLEINE schaffen muss. Viel später fand ich heraus, dass die Tendenz, alles immer selbst schaffen zu wollen, ein innerer Stressor ist, der in herausfordernden Situationen den oben beschriebenen zusätzlichen Stress erzeugt.
Zudem fand ich durch das vermehrte Verweigern des eigenen inneren, kritischen Richters heraus, dass ich einen Veränderungsprozess in Gang gesetzt hatte. Ich merkte, dass das Annehmen des Fehlers ein erster Schritt zum wahren Wachstum ist. Plötzlich konzentrierte ich mich nicht mehr auf den Fehler, sondern darauf, was für eine Lehre er mir bereithielt. Ich lernte fortan auf eine ganz neue Art und Weise und das in einem wesentlich höheren Tempo als zuvor.

Ich wurde mutiger.

Indem ich mich traute, meinen „sicheren“, weil fehlerfreien Bereich zu verlassen, wuchs ich über meine aktuellen Fähigkeiten hinaus und wurde mit jedem Mal besser und besser und das trotz zahlreicher Fehler.

Zwei Arten aus Fehlern zu lernen

Es gibt zwei Arten, etwas durch Erfahrung zu lernen

  1. Aus den Fehlern anderer lernen
    (Der Lerneffekt entsteht durch Beobachtung, wie andere Fehler machen. Man zieht dann seine eigenen Konsequenzen daraus.)
  2. Aus eigenen Fehlern lernen
    (Der Lerneffekt wird im wahrsten Sinne es Wortes „verinnerlicht“. Es findet ein viel intensiveres Lernen statt.)

Ich hab für dich eine kleine Anekdote zu dieser zweiten „Art zu Lernen“:

Als mein Großer im berühmt-berüchtigten Trotzalter war, hatte ich mächtig Probleme ihm die Konsequenzen seines Handelns zu „erklären“. Ein Tag ist mir bis heute so sehr ins Gedächtnis gebrannt, dass ich ihn dir nicht vorenthalten möchte: Mein Sohn musste erst einmal mit dem Bobby-Car einen steilen Hügel herunterbrettern und so richtig auf die Sch.. fallen. Erst dann hatte er am eigenen Leib erfahren und wahrhaftig „verstanden“, dass der Bobby-Car bergab tatsächlich schneller und unkontrollierbarer wird. Ich wog das Risiko für mein Trotzkind also ab und ließ ihn seine eigene „Erfahrung“ machen. Herzklopfend kam ich bei meinem heulenden Sturkopf an. Den Hügel hat er zukünftig freiwillig gemieden.

Gerade bei schüchternen und eher vorsichtigen Kindern kann ein behutsames Ermuntern sehr positive Effekte haben. Den fast schon überheblich wirkenden selbstbewussten Kraftprotzen helfen Fehler, ihren Kurs zu korrigieren und neu zu justieren.

Mir persönlich waren meine Fehler meine größten Lehrmeister. Vor allem habe ich verstanden, dass es völlig unnötig ist, sich zurück zu stellen nur um makellos zu sein. Im Gegenteil, ein mutiges Einstehen zu seinen Fehlern kann dir gehörigen Respekt verschaffen. Respekt, den du aufgrund deines Mutes und deiner klaren Position erhälst.

Mach dich also auf den Weg und sammle zukünftig Fehler. Lerne aus ihnen und sei dankbar für die Lehren, die du daraus ziehst. Verlasse deine sichere Zone und wachse.

Sei mutig. Sei großartig. Sei einfach du selbst.

Achso, fast hätte ich es vergessen. Falls du dich schon gewundert hast, warum ich erst heute schreibe. Mir ist beim Veröffentlichen meines gestrigen Blogs mein Blog im Nirvana verschwunden und nicht wieder aufgetaucht. Ja, ich liebe meine Fehler 😉

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