Kennst du deine Grundsätze der Erziehung?

Jedes Kind ist anders. Es hat unterschiedliche Bedürfnisse und Temperamente. Doch es gibt ein paar Naturgesetze, die gelten für jedes Kind auf dieser Welt, egal ob vom Nordpol oder aus der Sahara. Wenn du dich dieser Naturgesetze bewusst wirst, wirst du die kindliche Entwicklung besser verstehen und auch ein Stück gelassener sein können.

Auf der Spur kindlicher Entwicklung

Mehr als 10 Jahre des Ausprobierens, Fehler machens und Lernens liegen hinter mir, in denen ich die kindliche Entwicklung nicht nur theoretisch studiert, sondern sie auch praktisch beobachtet, unterstützt und bestärkt habe. Vielen weiteren Kindern außer meinen konnte ich ein Stück weit als Wegbegleiter dienen und bin noch heute fasziniert von diesem frühen Lebensabschnitt des Menschen. Mit der Zeit habe ich 3 Naturgesetze herausgefunden, welche unabhängig von Herkunft, Alter oder Geschlecht in jeder menschlichen Entwicklung wiedererkannt werden können. Ich möchte diese Erkenntnisse mit dir teilen, weil sie unendlich wertvoll sind, nicht nur für dich, als Mutter, sondern auch für dein Kind, deine Eltern, Geschwister, einfach für uns alle.

1. Gesetz: Die kindliche Entwicklung erfolgt in sich abwechselnden Phasen.

Auf Umbruch-Phasen folgen immer ruhigere Sättigungs-Phasen, welche abgelöst werden von Entdeckungs-Phasen. Egal ob noch ein Säugling oder bereits in der Pubertät, der Mensch entwickelt sich in Phasen.

Wie die Flut überfällt dich eine Umbruch-Phase und du fühlst dich überrumpelt, weißt nicht, was mit deinem Kind los ist. Oft kommt dir der Satz in den Sinn: „Ich erkenne mein eigenes Kind nicht wieder.“ In dieser Phase leidest nicht nur du, auch dein Kind ist überwältigt von den Geschehnissen, welche oftmals mit körperlichen Veränderungen verbunden sind. Diese Veränderungen werden von Gefühlsschwankungen begleitet, welche die Kinder regelrecht aus der Bahn werfen können. Erinnerst du dich an deine eigene Jugend? Wo du in der Anfangszeit sehr sensibel und unsicher warst, als du deine Regel noch nicht lange hattest. Die unerklärlichen Gefühlschwankungen, die körperlichen Beschwerden und dann noch der innere Drang, sich Freiheiten erkämpfen zu wollen. Das sind typische Anzeichen von Umbruchphasen. Sie beginnen bereits im Alter von ca. 3 Wochen und hören bis zu deinem Tod nicht auf 🙂

Folgt nach anstrengenden Wochen endlich die Sättigungs-Phase, nehmen wir diese kaum wahr, weil sie scheinbar nahtlos übergeht. Die Kinder sind goldig und ruhen regelrecht in sich. Und wir auch 🙂 Hier merken wir auch meist, dass nach dem körperlichem Schub eine geistige, kognitive Entwicklung gefolgt ist. Plötzlich ist unser Kind eigenverantwortlich, weiß genau, was sich gehört und was nicht und hat gelernt, gut auf sich selbst aufzupassen.
Doch schon bald, wenn das Kind die körperliche und kognitive Entwicklungsphase hinter sich gelassen hat, wird es erneut mutiger, manchmal übermütiger. Macht Sachen, wo wir nur den Kopf schütteln können und uns fragen, woher es diese Dinge hat. Das Kind hat lediglich eine nächste Phase betreten, die Entdeckungsphase. Es erweitert seinen Horizont.

2. Gesetz: Kinder nehmen dich als Vorbild. IMMER! 

Mach dich aber bitte nicht damit verrückt, dass du nicht die perfekte Mutter bist. Kinder sind nämlich viel schlauer und schauen nicht nur auf dein Verhalten. In erster Hinsicht schauen sie dir mitten ins Herz. Mit ihren sensiblen Antennen erkennen sie, was dir am Herzen liegt und dir am Wichtigsten ist. Sie nehmen dies wahr und nehmen es an, weil sie nicht anders können. Und weil dir diese Dinge so unglaublich wichtig sind, bist du hier klar und unverrückbar. Dies erkennen und respektieren deine Kinder.

Dein Verhalten nehmen sie zwar auch wahr, aber ich bin mir sicher, dass du das Phänomen der „tauben Ohren“ schon einmal bei deinen Kindern bemerkt hast: du sagst etwas zum x-ten Mal, aber ihre Ohren scheinen auf Durchzug geschaltet zu sein. Etwas Ähnliches passiert, wenn du Fehler machst. Sie registrieren es, auch deine Entschuldigung, doch übermorgen ist die Sache schon wieder vergessen. Was für ein Glück für uns Mamas! Wir können nämlich noch wochenlang Gewissensbisse haben.

Was deine Kinder allerdings nicht vergessen, sind die Momente, wo du im Einklang mit deinem Herzen sprichst. Du bist überzeugt und unverrückbar, klar und selbstsicher. Diese innere Überzeugungen sind das, was deine Kinder sich zum Vorbild nehmen, sei es bewusst oder unbewusst.

Diese Überzeugungen sind deine persönlichen Grundsätze. Sie sind so stark, dass sie in deinem täglichen Leben wirken.

Vielleicht sind es mehr als drei, vielleicht auch weniger. Das ist nicht so wichtig. Viel wichtiger ist, dass du dir dessen bewusst wirst, denn all deine Entscheidungen und dein Verhalten fußen auf dieser Basis.

Ganz schön schlau, von unseren Kindern, diesen Kern ausfindig zu machen, nicht wahr? Oder was denkst du, warum sie mit einer unfassbaren Genialität immer herausbekommen, wie sie uns doch zum Nachgeben bringen? Eben! Sie kennen unseren Kern besser als wir selbst. Sie merken, wann sie Verhandlungschancen haben. Und ja, manchmal nutzen sie diesen Vorteil gnadenlos aus!

Also vergiss bitte nie, dass du stets ein Vorbild bist. Handel im Einklang mit deinen Grundsätzen und deine Kinder werden dies respektieren.

 

3. Gesetz: Deine Kinder lieben dich. Bedingungslos.

Rein aus biologischem Überlebens-Instinkt wissen sie, dass sie auf dich und deine Liebe angewiesen sind. Aus diesem Grund solltest du diese bedingungslose Liebe nie mißbrauchen. Du kannst mit deinem Kind mit großen Buchstaben sprechen, du kannst auch mal so richtig wütend werden, wenn es sich so dermaßen daneben benommen hat. Aber niemals solltest du das Verhalten des Kindes mit deiner Liebe zu deinem Kind verwechseln. Dem Kind zu vermitteln, dass deine Liebe unerschütterlich ist, ist nicht immer einfach, gerade in solchen Situationen, wo du wirklich wütend bist. Aber deine Sprache sollte immer klar das Verhalten des Kindes kritisieren, niemals den Menschen ansich.

Kommen wir nun zu deinen ganz persönlichen Grundsätzen.

Ähnlich wie unsere Werte, festigen sich unsere Grundsätze irgendwann mit den Jahren und wir leben sie entweder bewusst oder unbewusst.

Einer meiner erzieherischen Grundsätze, die ich meinen Kindern ohne mit der Wimper zu zucken klar und eindeutig kommuniziere ist folgender: „Ich halte immer mein Wort. Und wenn ich einmal mein Wort nicht halten kann, dann haben es die Umstände verhindert.“

Das ist ein Wort! Und bis heute habe ich kein einziges Mal diesen Grundsatz gebrochen. Das heißt auf der anderen Seite aber auch, dass meine Kinder nicht allzu oft Zusagen von mir bekommen. Hier bin ich auf der anderen Seite ebenfalls klar, und es gibt kein Verrücken. Das Gesetz Nr. 2 wirkt hier mit den Jahren, denn die Kinder lernen an deinem eigenen Vorbild.

Es ist nicht wichtig, perfekt zu sein. Viel wichtiger ist es,  unerschütterliche Grundsätze zu haben.

Folgende Fragen können dir helfen, deine ganz persönlichen Grundsätze zu formulieren:

Überleg mal, wenn du all deine Erziehungspraktiken fallen lassen müsstest, außer 3, welche wären das? Welche 3 Grundsätze wären dir so wichtig, dass du sie auf jeden Fall beibehalten würdest und dafür alle anderen aufgibst? Warum ausgerechnet diese? Was macht sie so besonders?

Schreib mir in die Kommentare, welcher dein wichtigster Grundsatz ist.

Nicht verwechseln darfst du diese Grundsätze mit Glaubenssätzen. Sie können manchmal für ganz schön viel Verwirrung sorgen. Im nächsten Beitrag erfährst du, was die Beiden voneinander unterscheidet.

Ich wünsche dir eine wunderbare Woche.

Sei mutig. Sei großartig. Sei einfach du selbst.

Deine Ewa

 

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