In diese Tugend lohnt es sich zu investieren

Zwei ambitionierte Läufer bereiten sich auf einen Marathon vor. Läufer 1 ist sehr diszipliniert und läuft an 6 Tagen die Woche. Bei jedem seiner Läufe versucht er fast schon verbissen, noch ein bisschen besser zu werden. Läufer 2 hält sich an seinen Plan mit vier Laufeinheiten pro Woche. Er variiert seine Läufe und setzt nur punktuell Leistungsläufe ein. Wer von den beiden schafft es, unverletzt und fit bis zum Wettkampf zu bleiben?

Eine verbotene Tugend

Wahrscheinlich kennst du das Gefühl des Abgehetzt-Seins nur allzu gut. Keine Frage, da brauche ich dir nichts erzählen. Aber bist du an nur einem dieser Tage dazu gekommen, dich mit den für dich wirklich bedeutsamen Dingen zu beschäftigen?

Nein? Dann geht es dir ähnlich, wie vielen Anderen auch.

Gefangen in dem ewigen Alltagstrott voller Aufgaben und Pflichten, wird selten eine Lücke frei zum Innehalten und zum Nachdenken. Manchmal höre ich Menschen sagen: „Der Urlaub war viel zu kurz! Erst gegen Ende habe ich angefangen, so richtig abzuschalten. Und dann waren sie plötzlich wieder da, die Gedanken, dass es in ein paar Tagen wieder los geht mit der Arbeit.“ Das Schlimme dabei ist, dass diese Art zu denken, auch noch gesellschaftlich unterstützt wird, zumindest hier in Deutschland.

Überleg mal, welche Tugenden werden in Deutschland besonders wertgeschätzt?

Fleiß

Pünktlichkeit

Effizienz

Alles andere ist weniger relevant und wird verpönt und geargwöhnt.
Erinnere dich zum Beispiel an deine eigene Schulzeit. Ist es bei deinen Kindern heute anders? – Bei meinen nicht.

Manche wenige unter uns haben jedoch eine besondere Gabe.

Die Gabe, Dinge aus einer gewissen Distanz zu betrachten und gelassen zu bleiben.

Aber was verbirgt sich hinter dieser besonderen Tugend?

Wikipedia schreibt hierzu:

Gelassenheit, Gleichmut, innere Ruhe oder Gemütsruhe ist eine innere Einstellung, die Fähigkeit, vor allem in schwierigen Situationen die Fassung oder eine unvoreingenommene Haltung zu bewahren. Sie ist das Gegenteil von Unruhe, Aufgeregtheit, Nervosität und Stress.
https://de.wikipedia.org/wiki/Gelassenheit

Eine innere Einstellung. Interessant.

Umgekehrt würde das also bedeuten, dass wir selbst Schuld sind an unserem eigenen Stress? – Ja und nein.

Das Stressempfinden ist höchst individuell. In meinem früheren Blog hatte ich dies ausführlicher erklärt. Lies gerne hier noch einmal nach.

Gelassenheit als innere Einstellung zu entwickeln erfordert allerdings genauso viel Übung und Wiederholung wie sich auf einen Marathon vorzubereiten.

Und hier liegt der Knackpunkt.

Das Eine machen und das andere nicht sein lassen können geht nicht.

Wenn du also aus der ewigen Stress-Spirale herauskommen möchtest, musst du an beiden Stellen Veränderung bewirken: an deinen inneren Stressoren und an deiner Einstellung zu den Dingen, die gesellschaftlich anerkannt und nicht hinterfragt werden.

Du hast dich auf den Weg gemacht, dein Leben selbstbestimmt zu gestalten.

Anfangs bist du höchst motiviert und voller Tatendrang.

Doch es dauert nicht lange, da merkst du deutlich den Widerstand.

Den Widerstand in dir selbst und auch den gesellschaftlichen Widerstand.

Damit du nicht an diesem Punkt stehen bleibst und aufgibst, ist es wichtig, eine gewisse Gelassenheit zu den Dingen um dich herum zu entwickeln. Denn für Vieles kannst du nichts und wenn Dinge passieren, dann kannst du bloß schauen, wie du darauf reagierst. Dein Wirkungsradius ist vielleicht noch begrenzt, weshalb eine innere Gelassenheit, ein inneres „in-sich-selbst-Ruhen“, ja ein Vertrauen in sich selbst sehr wichtig sind.

An diesem Punkt geben nämlich viele auf.

Sie wollen ja gesellschaftlich anerkannt sein, sie wollen die Zustimmung ihres nächsten Umfeldes haben und sie wollen ein Teil einer Gemeinschaft sein. Also resignieren sie.

Veränderung bewirkst du, indem du aber nicht an dir rüttelst. Nicht an deiner Idee und auch nicht an dir selbst. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass du eine gewisse Gelassenheit, einen gesunden Abstand zu den Dingen entwickelst. Du wirst ihn brauchen, wenn die Menschen dich hinterfragen, kritisieren und ausgrenzen werden. Ebenso wirst du ihn brauchen, wenn du dich mal wieder versuchst, unendlich zu strecken und alles unter einen Hut zu bekommen.

Den ambitionierten jeden-Tag-Läufer erwischte übrigens zu Beginn des Wettkampfs ein Achillessehnen-Anriss. Er musste den Wettkampf unterbrechen. Der Läufer 2 jedoch lief den Lauf seines Lebens, für den er mit Beharrlichkeit, innerer Gelassenheit und Selbstvertrauen trainiert hatte.

Zum Schluss habe ich noch eine kleine Geschichte für dich:

In einem Dorf in China, nicht ganz klein, aber auch nicht groß, lebte ein Bauer – nicht arm, aber auch nicht reich, nicht sehr alt, aber auch nicht mehr jung, der hatte ein
Pferd. Und weil er der einzige Bauer im Dorf war, der ein Pferd hatte, sagten die
Leute im Dorf: „Oh, so ein schönes Pferd, hat der ein Glück!“
Und der Bauer antwortete: „Wer weiß?!“
Eines Tages, eines ganz normalen Tages, keiner weiß weshalb, brach das Pferd des
Bauern aus seiner Koppel aus und lief weg. Der Bauer sah es noch davongaloppieren, aber er konnte es nicht mehr einfangen. Am Abend standen die Leute des Dorfes am Zaun der leeren Koppel, manche grinsten ein bißchen schadenfreudig, und sagten: „Oh der arme Bauer, jetzt ist sein einziges Pferd weggelaufen. Jetzt hat er kein Pferd mehr, der Arme!“
Der Bauer hörte das wohl und murmelte nur: „Wer weiß?!“
Ein paar Tage später, sah man morgens auf der Koppel des Bauern das schöne
Pferd, wie es mit einer wilden Stute im Spiel hin und herjagte: sie war ihm aus den
Bergen gefolgt. Groß war der Neid der Nachbarn, die sagten: „Oh, was hat der doch
für ein Glück, der Bauer!“
Aber der Bauer sagte nur: „Wer weiß?!“
Eines schönen Tages im Sommer dann stieg der einzige Sohn des Bauer auf das
Pferd, um es zu reiten. Schnell war er nicht mehr alleine, das halbe Dorf schaute zu,
wie er stolz auf dem schönen Pferd ritt. „Aah, wie hat der es gut!“
Aber plötzlich schreckte das Pferd, bäumte sich aufund der Sohn, der einzige Sohn
des Bauern fiel hinunter und brach sich das Bein, in viele kleine Stücke, bis zur Hüfte.
Und die Nachbarn schrien auf und sagten: „Oh, der arme Bauer: Sein einziger Sohn!
Ob er jemals wieder wird richtig gehen können? So ein Pech!“
Aber der Bauer sagte nur: „Wer weiß?!“
Einige Zeit später schreckte das ganze Dorf aus dem Schlaf, als gegen Morgen ein
wildes Getrappel durch die Straßen lief. Die Soldaten des Herrschers kamen in das
Dorf geritten und holten alle Jungen und Männer aus dem Bett, um sie mitzunehmen
in den Krieg. Der Sohn des Bauern konnte nicht mitgehen. Und so mancher saß
daheim und sagte: „Was hat der für ein Glück!“
Aber der Bauer murmelte nur: „Wer weiß?!“
(Quelle: www.institut-berlin.de)

Wenn du dich zu dem Thema mehr informieren möchtest, empfehle ich dir folgende Links:

Sei mutig. Sei großartig. Sei einfach du selbst.

 

 

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