Ich wünsche dir Zeit

Oft nehmen wir sie nicht bewusst wahr. Stetig nimmt sie ihren Lauf. Selten sind wir dankbar für diese Tatsache. Doch niemals kommt sie zurück. Die Zeit.

Wie im Flug

Es ist schon seltsam. Ich erinnere mich noch ganz genau daran, wie ich dachte, möge mein Erstgeborener doch endlich größer und selbständiger sein. Doch ich erinnere mich nur noch wage an all die vielen glücklichen Momente, die das erste Jahr eines Kindes mit sich bringt. Schade, denke ich mir im Nachgang. Hätte ich gewusst, dass die Zeit so rasant vergeht, womöglich hätte ich sie viel bewusster erlebt.

Sowieso ist es im Alltag sehr schwierig, die Zeit bewusster zu erleben. Wenn mein Kleiner mich dann fragt: „Magst du mit mir malen?“, so antworte ich viel öfter als mir lieb wäre „Jetzt nicht, mein Schatz, ich hab noch viel zu tun. Weißt du, ich muss noch… machen und die… erledigen, dann noch schnell zu… fahren, aber danach können wir gerne etwas malen“. Zu dumm nur, dass nacher ein Kumpel zum Spielen vorbeikommt, so dass aus dem Malen nichts mehr wird. Und dann stehst du da und überlegst, ob du dir hättest doch die Zeit nehmen sollen. 

Wer verzeiht hier wem, und wer nicht?

Kinder sind selten nachtragend. Sie lieben uns bedingungslos und können unendlich oft verzeihen, solange sie das Gefühl haben, ebenfalls bedingungslos geliebt zu werden. Doch wir selber tun uns oft schwer damit, zu verzeihen. Besonders wenn es um uns selbst geht, sind wir besonders streng. Wenn ich zum Beispiel Fehler mache, und ich mache unendlich viele Fehler, dann grüble ich oft tagelang noch, wie mir das bloß passieren konnte. Manchmal sogar monatelang. Ich bin mein eigener strengster Richter und schaffe es nicht, mir selbst zu verzeihen. Dabei könnte ich es meinen Kindern abgucken. Irgendwie fällt es ihnen viel leichter, im Moment zu leben. Dinge bewusst wahrzunehmen, aufmerksam und präsent zu sein. Sie strahlen dann diese gewisse innere Ausgeglichenheit, dieses In-sich-selbst-ruhen aus, das ich sehr an ihnen bewundere. Sie verzeihen und vergessen. Und leben dann weiter, als ob nichts gewesen wäre. Wirklich bewundernswert.

Die Zeit stoppen

Manchmal kommt jedoch dieser Moment auch zu mir. Ein Moment völliger Wachsamkeit, innerer Ruhe und Gelassenheit, wo ich einfach nur glücklich und dankbar bin. Ein Moment, den ich bewusst wahrnehme und intensiv in meinem Gedächtnis einbrenne. Der erste Anblick meines Kindes, die ersten Gehversuche, das erste selbst gemalte Auto, der erste Sturz mit dem (Renn-)Bobby Car, der Anblick des ersten Treffens mit dem Geschwisterchen. Diese Momente sind kostbar und ich weiß ganz genau, dass ich sie nie vergessen werde. 

Ein Wunsch fürs neue Jahr

Am liebsten würde ich jeden Tag solche wunderbaren Momente erleben wollen. Ich kenne ein Gedicht von Elli Michler, welches mich immer wieder daran erinnert, im Trubel unseres Alltags nicht zu vergessen, zu leben. Für den Moment, für unsere lieben Menschen, für uns. 

In diesem Sinne wünsche ich euch für das neue Jahr ganz viel bewusst wahrgenommene, glückliche Zeit.

Mein nächster Beitrag kommt am 09.01.2017. Nun nehme ich mir bewusst Zeit für meine Lieben. Bis bald! 

Quelle: Pinterest, Fotolia

Tagged with:

Wie denkst du zu dem Thema? Schreibe mir gern deine Meinung :-)

%d Bloggern gefällt das: