I did it!

Ich stehe mitten in einer Menschenmenge. Rings um mich herum stehen Männer und Frauen unterschiedlichen Alters und reden aufgeregt miteinander. Der kühle morgendliche Wind weht zwischen den Menschen hindurch zu mir. Doch ich spüre ihn nicht, denn mir ist heiß. Vor Anspannung, Aufregung, vor Freude, einfach alles zusammen. Heute ist mein großer Tag!

Der Countdown läuft

Plötzlich erklingt es aus den Lautsprechern, der Start naht. Alle zählen die letzten 10 Sekunden herunter.

Und dann ist er da.

Der Start zu meinem ersten Halbmarathon!

Ich gehe innerlich meinen Streckenplan durch und mache die ersten Schritte.

Langsam geht es voran, denn bis die Menschenmasse sich in Bewegung gesetzt hat, dauert es.

Endlich laufen wir los.

Im Fluss der Menschenmenge positioniere ich mich hinter die Läuferin, die über sich einen großen gelben Luftballon schweben hat, und auf dem 2:29 steht. Dies ist mein Ziel für heute: den Halbmarathon in 2h und 29 Minuten zu laufen.

Alle, die ich um Rat fragte, sagten mir dasselbe: du darfst am Anfang nicht zu schnell angehen. Lauf langsam, dann schaffst du es.

Ins eigene Tempo finden

Also positioniere ich mich hinter den Bunny mit der 2:29 h Zeit und laufe die ersten 10 km hinter ihr. Zu Hause hatte ich ausgerechnet, dass dies eine realistische Zeit sein sollte für mein Halbmarathon-Debüt.

Was für ein unbeschreibliches Gefühl, ein Teil der Masse und dieser riesigen Bewegung zu sein. Vor mir sehe ich endlos viele Läufer, die alle schneller laufen als ich. Doch das ist mir heute egel. Heute ist mein Tag und ich genieße ihn. Mein Fokus gilt nur meinem Lauf und ich versinke wieder in mein gleichmäßiges Schritttempo. Oft habe ich dieses Lauftempo geübt, sehr oft sogar.

Doch als ich heute morgen ankam hatte ich nicht wirklich das Gefühl, vorbereitet zu sein. Ich hatte das Gefühl, eine innere Leere in mir zu haben. Kein Gefühl zum Körper, null Vorahnung, wie es werden wird.

Der 10. Kilometer vergeht und ich fühle mich immer noch gut. Mir kommt der Gedanke, dass es vielleicht doch klappen könnte. Vielleicht sollte ich es wagen…

Langsam überhole ich die Luftballon-Frau und taste mich an mein gewohntes Lauftempo heran. Ich hatte in den ersten 10 Kilometern gemerkt, dass mein Jogging-Tempo ein Stück schneller war als das der Luftballon-Frau, so dass ich es wage.

Kilometer zwölf kommt.

Kinder strecken uns ihre kleinen Händchen entgegen und ich klatsche eine jede davon ab. Was für ein Glücksgefühl!

In der nächsten Kurve macht eine kleine Gruppe Zuschauer eine Laola-Welle für mich und ich bin im 7. Himmel!

Als der 16. Kilometer anläuft, müssen die ersten Läufer Puste holen und gehen. Wie im Rausch laufe ich an ihnen vorbei und nehme dabei stetig an Tempo zu. Plötzlich kommt Brücke Nummer drei und die ersten fangen an zu stöhnen. Ich konzentriere mich auf die Armarbeit und meistere auch dieses Hindernis ohne Probleme.

Endspurt

Bei Kilometer 18 fange ich langsam an meine Beine zu spüren, doch schon spielt um die Ecke eine junge Band fetzige Rockmusik und ich kann nicht anders, als wieder das Tempo zu erhöhen. Es ist wie ein einziger Rausch!

Kilometer 19 und ich sehe endlich die großen Messehallen für den Zieleinlauf. Ob ich es wagen sollte, im letzten Kilometer einen Sprint einzulegen?

Ein letztes Schild erscheint: 1000 m

Ich erhöhe ein letztes Mal mein Tempo und sehe zwei junge Männer vor mir, die mich zu Beginn des Laufs abgehängt hatten. In der letzten Kurve, bevor wir in die Messehalle hereinlaufen, überhole ich die Jungs.

Plötzlich rauscht mir eine unglaubliche Lautstärke entgegen. Ein roter Teppich deutet die letzten Meter an. Ich beiße die Zähne zusammen und sprinte der Zuschauertribüne entgegen. Fast bemerke ich nicht, wie mir meine Freunde von der Tribüne entgegenschreien. Ich winke und schreie zurück und laufe dem großen Zieltor entgegen. Ich habe es geschafft!

Oberste Priorität

Du glaubst gar nicht, wie lange ich mich nach diesem Moment gesehnt habe!

Schon während meines Studiums, als ich zur Lockerung meiner Gehirnzellen meine Runden um den Block drehte, träumte ich davon, irgendwann einmal einen Halbmarathon zu laufen. Doch dann kamen Kind Nr. 1, Kind Nr. 2, zahlreiche kleine und große Erkrankungen der Kinder, der 1. Job und noch einige weitere Verpflichtungen dazwischen, so dass ich ziemlich lange warten musste.

Ich musste sogar so lange warten, bis der Wunsch, einen Halbmarathon zu laufen, zur obersten Priorität werden durfte. 

Ja, er musste um Erlaubnis fragen.

Vorher hatten nämlich immer andere Dinge Priorität.

Vor zwei Jahren war ich dann soweit. Ich war fit, ich war vorbereitet, der Halbmarathon durfte kommen.

Doch er kam nicht.

Kurz vor dem Start hatte mich eine Erkältung soweit geschwächt, dass ein Start unmöglich wurde. Es war zum Kotzen! Da hatte ich so lange beharrlich für trainiert und konnte dann nicht mitmachen.

Doch heute habe ich meinen Lauf des Lebens gehabt! 

Und rückblickend kann ich mit ziemlicher Sicherheit sagen, was der Grund dafür war, dass es diesmal geklappt hat.

Der Lauf wurde dieses Jahr zu meiner absoluten obersten Priorität!

Nichts konnte ihn mir nehmen. Nur sehr Weniges war wichtiger. Alles andere, was mir sonst wichtig ist oder Freude bereitet, musste sich hinten anstellen. Ich lies einfach nichts anderes wichtiger sein als dieses eine Ziel!

Vielleicht hast du bemerkt dass der Blog ab und zu ungregelmäßig kam.

Er musste warten.

Ebenso wie alle anderen Sachen, die ich gerne in meiner Freizeit tue. Sie standen dieses Jahr hinten an.

In dem Moment, wo ich dir zu Beginn des Jahres verkündet habe, dass ich den Halbmarathon laufen werde, wurde alles andere nur noch zweitrangig.

Dies war letzendlich auch der Grund, warum ich mein Ziel erreicht habe. Ich habe einfach nichts so viel Bedeutung gegeben wie diesem einzigen Ziel.

Viele Stunden sind ins Training geflossen, doch sie haben mich beharrlich zu meinem Ziel getragen. Heute konnte ich die Früchte des monatelangen Trainings ernten.

Jetzt bist du dran: setzte deinen Fokus!

Ich hoffe, ich konnte dir einen Einblick geben in die Systematik der Zielerreichung.

Es ist ein harter Brocken, den du zusätzlich mit dir schleppst, wenn du dir in irgendeiner Sache ein Ziel setzt. 

Viele Möchtegern-Unternehmer wollen dir verkaufen, dass es ganz leicht ist, Ziele zu erreichen. Wenn du nur ihre Produkte kaufst, führen sie dich zum Ziel. 

Ich hoffe dir ist mit meiner kleinen Erzählung vom gestrigen Halbmarathon klar geworden, dass jedes Ziel ihren Preis hat. Und der ist alles andere als gering!

Klar können Menschen sagen, dass sie kaum Zeit haben, um ähnliche Ziele zu verfolgen. In manchen Lebensphasen ist das tatsächlich der Fall.

Wenn du frischgeborene Würmchen zu versorgen hast, kann ich das voll und ganz verstehen. Das konnte ich damals auch noch nicht. Aber irgendwann merkst du, dass deine Kinder größer und eigenständiger werden, dann wirst auch du mehr Zeit haben. Eine halbe Stunde hier, eine Stunde da. So hatte es bei mir begonnen. Ich nutzte sie, um fitter zu werden, und mich vorzubereiten. Irgendwann arbeitest du vielleicht wieder, hast möglicherweise sogar einen Vollzeitjob und merkst, dass deine Batterien sich gar nicht mehr richtig aufladen. Spätestens dann ist die Zeit gekommen, dich wieder mehr mit dir selbst zu beschäftigen. Dich wieder zu fokussieren und dein großes Ziel zu planen. 

Natürlich kannst du das auch von Anfang an tun 😉

Welches Ziel könnte dein Ziel werden?

In dem Moment, wo du deinen Fokus setzt, richtet sich ein Großteil deiner Aufmerksamkeit und deiner Energie nach diesem Ziel. Am Anfang musst du noch dafür sorgen, dass du den notwendigen Freiraum bekommst, um an deinem Ziel arbeiten zu können. Aber du wirst sehen, mit der Zeit WILLST du dir die Zeit nehmen und zwar so oft es geht.

Termine haben wir alle, Verpflichtungen auch, sogar Freizeit haben wir in unserer wohlhabenden Gesellschaft.

Doch es ist höchst verschieden, wie wir unsere Zeit gestalten.

Lerne, dein „One thing“ kennen

Es ist ja nicht so, dass Menschen nicht wissen, wie sie ihre Ziele erreichen sollen. Viele haben bloß keinen konkreten Plan, so dass sie direkt mit dem ersten Schritt beginnen können.

Und ehrlich gesagt, sind auch nur wenige bereit, diesen Aufwand auf sich zu nehmen. 

Ich hatte früher auch keinen konkreten Fokus. Somit hatte auch mein Ziel keine Prioriät. Und ich keinen Umsetzungsplan.

Aber als ich dir zu Beginn des Jahres schrieb, was ich für dieses Jahr vorhabe, wurde es für mich verbindlich.

Ich überlegte mir eine Umsetzungs-Strategie, strukturierte meinen Alltag ein wenig um, nutze meine regelmäßigen Lücken und legte los.

Wenn du einen Wunsch, ein Ziel oder eine Vorstellung hast, dann pack deinen zusätzlichen Brocken in den Rucksack und mach dich auf den Weg!

Es ist nicht wichtig, wieviel du letzen Endes schaffst. Wichtiger ist, dass du EINE Sache schaffst!

Welches ist dein „One thing“?

Schreib es in die Kommentare und beobachte den Effekt, den es auf dich hat 🙂

Ich wünsche dir eine wunderbare Woche!

Sei mutig. Sei großartig. Sei einfach du selbst.

Deine

Ewa

Ps: wenn du vielleicht auch das Laufen für dich entdecken möchtest, dann empfehle ich dir folgendes Buch:

Herbert Steffny: Das große Laufbuch

Und wenn du zunächst dein großes Ziel finden und dich darauf fokussieren möchtest, dann kann dir dieses Buch helfen:

Gerry Keller: One thing

Wie denkst du zu dem Thema? Schreibe mir gern deine Meinung :-)

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