Fehlerkultur neu denken

Hast du einem Kleinkind schon einmal gesagt, es soll nicht in Richtung der hinabführenden Treppen gehen? Und wie zuverlässig hat sich der kleine Knirps an deine Warnung gehalten und ist nicht die Treppe hinuntergeplumpst?

Ich vermute stark, dass das Würmchen seine Erfahrung machen musste und festgestellt hat, dass du doch Recht hattest und die Treppe nicht ungefährlich ist. Es hat die Treppe allerdings nicht gemieden nach seinem Sturz, so wie du es wolltest. Es war beim nächsten Mal einfach vorsichtiger. Ups. Noch ein Versuch. Solange, bis die Treppe sicher gemeistert werden konnte.

Fehler

Schade, denke ich mir manchmal, dass nur Wenige so hartnäckig sind und ihre eigenen Erfahrungen machen wollen. Schade, dass der Wille zu Lernen selten stärker ist als die Angst vor dem Scheitern. Beim kleinsten Fehler kommen die Menschen ins Straucheln, verlieren den Mut und geben möglicherweise sogar auf.

Warum ist das so?

In meinen früheren Blogs hatte ich schon einmal die Wurzeln unseres heutigen gesellschaftlichen Denkens angerissen. 

Im Grunde legte die Industrialisierung mit ihrem Effizienz-Gedanken den Grundstein für die Null-Fehler-Toleranz-Kultur. Jeder Arbeiter, der exakt das ausführte, was und vor allem wie man es von ihm verlangte, wurde gelobt. Derjenige, der dabei auch noch fehlerfrei blieb, wurde befördert.

Hat sich nicht viel geändert bis heute.

Wenn du super zuverlässig bist und keine Fehler machst, dann kann man sich zukünftig dies und das für dich vorstellen. Wehe aber, du machst einen Fehler! Dann ist man maßlos enttäuscht von dir, schickt dir persönliche, niederschmetternde Mails und schreibt dich ab.

Fehlerkultur

Hast du schon etwas über Fehlerkultur gehört? Damit ist der Versuch gemeint, eine gesunde Einstellung zu Fehlern einzuführen. Was ist aber eine „gesunde Einstellung“ zu Fehlern?

Diese Frage zu beantworten ist leichter gesagt als getan, denn die Realität sieht anders aus. Und das liegt wie oben erwähnt an unserer geschichtlichen Entwicklung.

Wie könnten erste Schritte hin zu einer größeren Fehlertoleranz aussehen?

Um auf das obige Beispiel zurückzukommen, könntest du dem Kleinkind die Treppe gewähren und selbst in der Nähe bleiben, wenn es dich braucht.

Ein Vorgesetzter könnte im übertragenen Sinne dafür sorgen, dass er für seine Mitarbeiter erreichbar bleibt. Für Rückfragen, Absprachen, Unsicherheiten. Die Realität ist oftmals eher so, dass der Chef selten verfügbar ist, und wenn er da ist, dann nur, um dir Anweisungen oder Aufgaben zu übertragen. Selten ist er WIRKLICH mit einem offenen Ohr für Fragen da. 

Wenn also die Möglichkeit, sich auszutauschen sehr begrenzt ist, dann muss den Mitarbeitern auch gewährt werden, mal falsch zu liegen oder Fehler zu machen. Ein gemeinsames Tragen der Verantwortung geht einher mit gemeinsamen Erfolgen und Niederlagen. Wenn ein Mitarbeiter scheitert, weil er einen Fehler macht, so ist es auch der Fehler des Vorgesetzten, weil er seinen Mitarbeiter nicht ausreichend geschult, informiert oder hat üben lassen. Diese Konsequenzen sehen aber die Wenigsten Vorgesetzen, was das Dilemma der Mitarbeiter auf den Punkt trifft.

Man könnte nun sagen, dass der Fehler seitens der Vorgesetzten liegt. Dies ist meiner Meinung nach aber nur eine Seite der Medaille. 

Wenn wir an das Beispiel des Kleinkindes zurückdenken, dann wird klar, dass es nicht nur eines toleranten „Chefs“ bedarf, sondern auch mutigen „Mitarbeiten“, die für ihr Recht zum Lernen kämpfen und solange Erfahrungen sammeln, bis sie eine Sache beherrschen.

Neue Wege

Wie könnte man solch eine Fehlerkultur einführen, ohne, dass die Firma an ihren eigenen Fehlern scheitert?

Ich hatte mal über ein schönes Beispiel gelesen, welches zutreffender nicht sein könnte: einem Mitarbeiter ist ein ganz blöder Fehler passiert. Anstatt sich dafür zu schämen, verschickte der Mitarbeiter eine Rundmail an seine Kollegen, wo er seinen Fehler detailliert beschrieb. Gleichzeitig schrieb er hinzu, wie man das Problem am besten beheben konnte und wie man es zukünftig vermeiden kann. Es dauerte nicht lange, und ein Kollege verschickte ebenfalls eine Rundmail über ein anderes Problem. Diese Firma konnte in den nächsten Monaten ihren Umsatz vervielfachen Dank einer mutigen, hartnäckigen Tat eines Einzelnen.

Andere Unternehmen gewähren ihren Mitarbeitern bewusst Zeit, um sich mit eigenen Dingen zu beschäftigen. Sei es, um Wissenslücken zu schließen, Dinge auszuprobieren oder eigene Projekte zu starten. Soviel Vertrauen geht nur einher mit einer gesunden Fehlerkultur, die darauf vertraut, dass Wachstum viel schneller durch Fehler-Lern-Prozesse stattfindet.

Wie könntest du für dich selbst eine ganz persönliche Fehlerkultur einführen?

Schritt 1: Gestehe deine Fehler offen ein. Damit zeigst du Mut und Ehrlichkeit.

Es gibt regelrechte Treffen, die das Scheitern „feiern“. Auf sogenannten Fuckup Nights erzählen zum Beispiel Unternehmer über ihre gescheiterten Projekte. 

Also Mut zum Scheitern!

Schritt 2: Schreib ganz nüchtern auf, was das Schlimmste wäre. Oftmals ist es nicht so schlimm, wie du denkst oder die Konsequenzen sind tragbar, wenn du Schritt 3 nicht vergisst.

Schritt 3: Switche jetzt um und überlege, wie du den Fehler minimieren und das Problem lösen kannst. Was könntest du jetzt in diesem Moment ganz konkret tun? Oftmals hilft diese Vorgehensweise bereits, um aus der Schockstarre heraus- und ins Handeln zu kommen.

Fazit

Wenn Unternehmen es schaffen, Fehler im Alltagsgeschäft als Teil des Lernprozesses zu verstehen und die Mitarbeiter begreifen, dass sie mutig und aktiv ihr eigenes Wachstum gestalten können, dann kann eine vorbildliche Fehlerkultur entstehen.

Welche Strategien hast du, um mit Fehlern umzugehen?

Sei mutig. Sei großartig. Sei einfach du selbst.

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