Die Tücken der Freizeit und wie du aus dem Teufelskreis wieder herauskommst

Weißt du eigentlich, wie es sich anfühlt, morgens aufzustehen und völlig frei entscheiden zu können, was du machen möchtest? Die freie Entscheidung zu haben genau das zu tun, was du in diesem Moment unternehmen möchtest? – Ich möchte dieses Gefühl nicht mehr missen.
Niemand kann dir sagen, was du wann tun sollst. Du glaubst mir nicht? Dann lies weiter…;-)

Segen und Fluch zugleich

Jeder von uns hat bestimmte Aufgaben, die einfach erledigt werden müssen.
Die Eine arbeitet halbtags und hat den restlichen Tag familiäre Verpflichtungen. Die Andere arbeitet vollzeit und quetscht die sonstigen Verpflichtungen in die späten Nachmittagsstunden. Aber alle haben wir freie Zeit in der restlichen Zeit des Tages. Die Eine mehr, die Andere weniger. Stimmst du mir zu?
Heute gehe ich ein bisschen näher ein auf diese freie Zeit.
Öfters habe ich das Gefühl, dass diese sogenannte „freie“ Zeit gleichzeitig Segen und Fluch ist. Gerade junge Mütter haben es schwer, sich ausreichend Lücken zu schaffen, wenn die Kinder noch recht klein sind. In der wenigen, frei zur Verfügung stehenden Zeit haben wir oft das Gefühl, sie mit sinnvollen Dingen füllen zu müssen. Da wir aber sowieso von morgens bis abends vollgestopft sind mit Verpflichtungen, fallen uns im entscheidenen Moment ausgerechnet diese blöden Verpflichtungen ein. Wie oft habe ich mich dabei ertappt, dass ich an die aufzuhängende Wäsche, die nicht geschrubbten Waschbecken und die nicht gewischten Staubmäuse dachte. Anstatt meine Zeit zu genießen, konnte ich nicht einfach so auf Knopfdruck abschalten.
Was hab ich also gemacht?
Ich dachte, ich mache schnell die Sachen noch fertig, dann kann ich mich „besser“ entspannen und die Hausarbeit gedanklich abhaken.
Denkste.
Kaum waren diese Sachen erledigt, fiel mir auf dem Weg noch eine dritte, vierte, x-te Sache ein und schwupps war meine freie Zeit vorbei. Somit war ich wieder in die Zeitfalle getappt.
Geht es dir ähnlich?
Dann sag ich dir etwas: in dieser freien Zeit kann dir keiner sagen, was du zu tun hast und was nicht, nicht einmal deine eigene Denkgewohnheit!
Ja, diese musst du auch umprogrammieren, damit sie nicht mehr gegen dich, sondern für dich arbeitet.

Du hast die freie Wahl zu entscheiden

Hier ein paar anregende Beispiele (Nachmachen gern erwünscht ;-))
Niemand kann dir sagen, dass du abends Laufen gehen musst. Du kannst dich frei dafür oder dagegen entscheiden.
Auch kann dir niemand vorschreiben, um eine bestimmte Zeit aufstehen oder schlafen gehen zu müssen.
Du könntest eine Stunde früher aufstehen und Laufen gehen, oder die ganze Nacht deine Lieblingsserie gucken. (Jetzt bitte nicht an den Job am nächsten Tag denken – es geht um die reine, freie Wahl, derer du dir bewusst werden kannst ;-))
Auch könntest du nackig auf dem Balkon telefonieren und niemand könnte es dir verbieten.
Okay, dieses Beispiel ist schon ein wenig grenzwertig, aber du glaubst gar nicht, was man so alles während seiner Jogging-Runden entdeckt 😉
Vielleicht kommst du nun dem ein bisschen näher, was ich dir heute gerne mit auf den Weg geben möchte.
In deiner freien, dir zur Verfügung stehenden Zeit kannst du tatsächlich selbst entscheiden, was du tun möchtest.
Was spricht zum Beispiel dagegen, dass du morgens eine Stunde später zur Arbeit fährst, damit du morgens noch eine Runde Spazieren oder Laufen gehen kannst? Ich bin mir sicher, das das in den meisten Jobs problemlos möglich wäre. Du kannst ja mal nachfragen, wenn du magst. Fragen kostet nix 😉
Womöglich rattern jetzt deine Gedanken über all die notwendigen Aufgaben und Verpflichtungen, die dennoch auf dich warten.
STOP!
Versuch es noch einmal:
Kennst du in deinem Umkreis Väter, die abends von der Arbeit nach Hause kommen, kurz den Kindern hallo sagen, und sich dann aufs Fahrrad schwingen oder eine Runde laufen gehen? – Ich kenne zahlreiche, die das machen. Nicht jeden Tag, aber dennoch regelmäßig. Diese Väter haben etwas Entscheidendes verstanden:
Deine freie Zeit gehört dir! Und du kannst entscheiden, was du in deiner freien Zeit machst.

Lerne zu verhandeln

Das Aufpassen auf die Kinder kannst du dann ja mit deinem Mann verhandeln. Schließlich haben die Väter ja auch ihre „Hobbies“, nicht wahr? (Und wenn es NUR das Fußball-gucken ist :-))

Sicher sind so einige Väter wesentlich egoistischer und denken nicht im Entferntesten an sowas wie Rücksicht nehmen. Aber lass uns mal genauer hinschauen. Rücksicht nehmen worauf überhaupt? Darauf, dass wir vielleicht auch Bedürfnisse und Hobbies gerne hätten? – Möglich. Darauf, dass sie wissen, dass wir tagsüber kaum Lücken finden, um etwas für uns machen zu können? – Unwahrscheinlich. Rücksicht darauf nehmen, dass wir uns eventuell selbst nicht unsere freie Zeit eingestehen und einfordern können? – Never ever! Ein Mann denkt nicht im Entferntesten an solche komplexen psychologischen Hintergründe.

Und das ist auch gut so. Denn durch unsere Männer können wir lernen, WIE wir uns diese freie Zeit selbstbewusst einfordern können. Manche Frauen können das sehr gut, andere weniger.
Wir müssen es lediglich aussprechen. Und zwar so, dass wir auch gehört werden.
Ein „Schatz, könntest du dir vorstellen, mir eventuell einmal in der Woche ein wenig die Kinder abzunehmen?“ ist viel zu ungenau. Warum nur vielleicht? Willst du nun oder nicht? Was heißt eventuell einmal in der Woche? Heißt es mal ja, mal nein, mal mehr als einmal? Kapier ich nicht!
Allein schon diese eine Frage sorgt für mehr Verwirrung als dass es zu deinem eigentlichen Ziel führt: nämlich zu deiner frei zur Verfügung stehenden Zeit.
„Schatz, ich mache ab jetzt immer montags von 18:00 – 20:00 Uhr eine freie Zeit nur für mich. Was ich da mache, weiß ich noch nicht. Ich möchte aber, dass du dann die Kinder nimmst, so dass ich etwas nur für mich machen kann. So haben wir beide unsere kleinen Auszeiten.“
Ist das verständlicher?
So, und nun kommen wir zu dir.

Entscheide dich

Jetzt sind wir also an dem Punkt, zu verstehen, dass wir zumindest theoretisch tatsächlich die freie Wahl haben.
Wenn du nun aber das Pech hast, in ganz anderen Denkmustern „hineingeboren worden“ zu sein; was kannst du tun?
Ganz einfach: ES EINFACH TUN.
Heute habe ich eine kleine Aufgabe für dich:
Formulier dir deinen eigenen Satz für deine ganz persönliche Auszeit und sage ihn dir selbst laut auf. Schreibe ihn auf ein Blatt und hänge es dir in den Kleiderschrank, den du jeden Morgen öffnest. Oder kleb das Blatt an den Spiegel, Kühlschrank oder was auch immer. Hauptsache du kannst jeden Tag darauf schauen.
Ich habe tatsächlich einen ganz persönlichen Spruch, der einer meiner größten Werte wurde. Ich habe ihn bewusst gewählt, er war nicht in meinen Denkmustern. Aber als ich ihn las, wusste ich, dass ich ihn ab jetzt täglich leben möchte. Jetzt hängt er schon seit 10 Jahren an meinem Kühlschrank und ich bin nach wie vor dankbar, ihn aufgeschrieben zu haben.
In dem Moment, wo du nämlich vom hin-und hergrübeln ins TUN kommst (das Aufschreiben und hinhängen ist allein schon eine aktive Tat), hast du den schwierigsten Part überwunden: du hast den Ball zum Rollen gebracht.
Ab jetzt wird alles einfacher.
Du wiederholst es nächste Woche gleich noch einmal.
Abends mit Freundinnen ausgehen? – Kein Problem. Du bist zwar hundsmüde, wolltest dies aber schon lange. Also machst du es.
Morgens früher aufstehen um mehr Zeit für dich selbst zu haben? – Wecker an und die Sachen neben dein Bett stellen, auf die du dich morgens freuen wirst.

Eine kleine Anekdote zum Schluß

Als meine Kinder noch recht klein waren, habe ich gedacht, dass sie mich immer brauchen. Tun sie auch. Aber ich muss nicht in jeder Minute präsent sein. Einmal hatte mein Erstgeborener tatsächlich geschafft, die ganze Stunde, in der ich Joggen war, zu brüllen. Beim Papa auf dem Arm!
Papa war genervt, Kind war fix und fertig und ich erkannte die Notwendigkeit, dem ein Ende setzen zu müssen. Was machst es für einen Unterschied, ob der Knirps seine Trotzphase bei mir oder beim Papa auslässt? Ich hatte zahlreiche solcher Momente, wo ich schier im Erdboden versunken wäre, weil der Kleine mit dem Brüllen nicht aufhörte. Warum sollte ein Papi dies nicht auch erleben „dürfen“?
Machen wir es unseren Männern nicht unnötig zu einfach, sonst erziehen wir uns möglicherweise noch inkompetente Väter.
Und DAS, wette ich, will keine von uns!
Tu dir selbst also den Gefallen, und überlege dir für diese Woche, was du gerne in deiner freien Zeit tun möchtest.
Überlege dirvor allem, WANN du regelmäßig deine freie Zeit haben willst.
Eine kleine Shopping-Tour dienstags, weil du da meist noch eine Stunde Puffer hast, bevor du die Kinder holst? – Mach es!
Einen Städtetrip mit Freundinnen am Wochenende? – Unbedingt!
Ein heißes Bad mitten am Tag, weil du so frierst? – Finde deine Lücke und tu es!
Du kannst (fast) alles in deiner freien Zeit tun, was du möchtest. Aber tue es bewusst.
Und vor allem tue es regelmäßig.

Fazit

Verschwende diese Zeit bitte nicht mehr mit Dingen, die du nicht möchtest, mit Leuten, die du nicht magst, mit Gedanken, die dich nicht weiterbringen. Diese freie Zeit gehört dir! Gestalte sie bewusst und bleibe eine aktive Macherin 🙂
Der Weg hin zu einem selbstbestimmten Leben bedeutet nicht, dass du unendlich viel Zeit hast. Das wäre reine Utopie. Jeder hat Aufgaben, die erledigt werden müssen. Es geht vielmehr um das Bewusstsein, dass man die eigene, zunächst freie Zeit aktiv und selbstbestimmt gestalten kann. Je mehr du dich selbst als aktive Gestalterin wahrnimmst, desto mehr bestätigt sich das Gefühl, dass du Einfluss hast auf deine Zeit und auf dein Leben. Irgendwann wirst du vielleicht soweit sein, auch den Rest deiner Zeit aktiv und selbstbestimmt gestalten zu können. Aber bis dahin haben wir beide noch einen Weg zu gehen 🙂
Sag mir, was tust du am liebsten in deiner freien Zeit?
Schreib es mir gern in die Kommentare 🙂
Sei mutig. Sei großartig. Sei einfach du selbst.
Deine Ewa
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