Die eierlegende Wollmilchsau


Kennt jemand von euch die schon etwas ältere US-Serie „Desperate Housewifes“? In einem Teil geht es um die fünffache Mami, die sich aufopfernd um ihre Familie kümmert, die Termine ihrer Kinder managt, sich nach der letzten Geburt ihrer Kinder wieder ihrer verstaubten Karriere zuwendet, die Bedürfnisse ihres Mannes schon im Voraus erspürt, sich um die Wewehchen der Nachbarn kümmert und tatsächlich im Stande ist, all diese Jonglierbälle eine Weile in der Luft zu behalten. Eine Weile zumindest. Denn nach dem Experiment mit aufputschenden Tabletten, welche einem Kraft fürs Durchmachen der Nacht geben und zunächst ein immenses Glücksgefühl verursachen, all die Aufgaben „endlich“ einmal komplett geschafft zu haben, kommt die Ernüchterung. Die Suchtgefahr, nicht nur dieses Glücksgefühl noch einmal erleben zu wollen, sondern auch diesen Perfektionismus wieder und wieder zu erreichen. Diese damit einhergehenden, enormen, ja sogar gesundheitsgefährdenden Folgen erkennt die Figur in der Serie allerdings erst dann, als die Alarmglocken Stufe rot läuten.

Zugegeben, in der Serie musste ich öfters schmunzeln, fand ich mich doch in der einen oder anderen Situation wieder. Der Ernst und die Wahrheit dahinter kamen mir aber erst, als ich selbst solche einschneidenden, an die persönlichen Grenzen gehenden Situationen durchlebte. Hierin liegt eine der größten Herausforderungen der heutigen Zeit: die Komplexitätsbewältigung

Ebenso wie die Fähigkeit, die für uns relevanten Dinge zu selektieren, ist es heute wichtiger denn je zu Lernen, mit dem gesteigerten Tempo und dem vermehrten Zeitdruck im Alltag konstruktiv umzugehen. Was nützt es mir, wenn ich den Alltag mit Terminen vollpacke, am Ende des Tages aber dennoch das Gefühl habe, nichts wirklich Sinnvolles geschafft zu haben?

Meiner Meinung nach hat dieses Phänomen viel mit der eigenen Erziehung, mit den inneren Glaubenssätzen und mit den gesellschaftlichen Einflüssen zu tun. Es ist eine mächtige Mixtur, welche unsere eigene Sicht auf die Dinge vernebelt und uns weißzumachen versucht, dass dies der einzig richtige Weg sei. Wir arbeitenden Eltern vergleichen uns nicht selten mit den „Vollzeit Hausfrauen bzw. -männern“ oder den „Vollzeit Berufstätigen“. Doch was wir auch tun, wie oft wir uns verbiegen, so sehr wir auch versuchen die eierlegende Wollmilchsau zu verkörpern, wir schaffen es ja doch nicht. Denn in irgendeiner Sache ist immer jemand anders besser, schneller, geschickter als wir.

Was wäre aber, wenn wir uns weniger an anderen oder dem bereits Bestehenden oriertieren würden, sondern viel mehr an uns selbst? Wie würde es sich anfühlen, so gar keine Eckpfeiler der Orientierung mehr zu haben? Wie würde sich diese Freiheit anfühlen? Vermutlich zunächst sehr verwirrend, ja sogar beängstigend! 

Dieses „Sich-Lösen“ von den bisherigen Richtpfeilern kann aber auch sehr befreiend sein. Zu spüren, dass es einem nicht mehr wichtig ist, was andere denken oder wie die Dinge nach gesellschaftlichen Normen zu verlaufen haben, weil man seine eigenen Maßstäbe und Orientierungspfeile gesetzt hat. Das eigene Tempo vorgeben, das mal schneller, mal langsamer sein darf. Die Zeit mit Inhalten füllen, die einem wirklich wichtig sind, und nicht nur wichtig erscheinen.

In meinen letzten Blogs hatte ich die Wichtigkeit des Selektierens, des sich selbst Beobachtens sowie des aktiven Vormachens erwähnt. Die Fähigkeit, den komplexen Alltag individuell und aktiv zu gestalten, ist eine weitere, wie ich finde, sehr wichtige Eigenschaft, die man sich aneignen sollte, um als arbeitender Elternteil sprichwörtlich nicht „durchzudrehen“. Ich zum Bespiel schaue nur noch selten fern, da ich mich entschieden habe, diese Zeit lieber mit Lesen zu verbringen. Und ich lese für mein Leben gern. 😉

Was willst du in deinem Leben (ver)ändern? 

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