Adrett war gestern

Heute stelle ich dir in einem Gastbeitrag eine ganz besondere Frau vor. Jahrelang war sie die typische, sich aufopfernde berufstätige Mami gewesen.
Gleichzeitig war sie für viele weitere Frauen beratend als Personalreferentin zur Seite gestanden. Sie kennt die Situation von uns Mamis
wie keine Andere.

Was sie aber besonders macht, ist die Tatsache, dass Sie irgendwann die Notbremse gezogen hat. Sie hat sich entschieden, ihr Leben ab nun nach ihren eigenen Maßstäben zu gestalten. Heute ist Lora selbständig, ausgebildeter Coach und hat ihre Stärken und Interessen zum Beruf gemacht. Sicher gibt es viele, sehr viele Coaches da draußen. Ich habe aber noch nie einen Coach erlebt, die sich in kürzester Zeit so treffend emotional in ihr Gegenüber einfühlen kann. Vielen konnte sie beruflich zu einer zufriedeneren Lösung verhelfen.

Ich freue mich, dir Lora, meine Partnerin in unserem Projekt vorstellen zu dürfen.

Schau dir an, was sie zu sagen hat:

Wir – ein Mix aus Zauberhafter Nanny und Super-Woman – schaffen es, vor
dem Kindergartenstart noch die Präsentation fertig zu kriegen und
zwischen zwei Meetings die Kindergeburtstagsparty-Mitgebsel-Tüte zu
bestellen. Der Chef verlässt sich blind auf uns, denn wir sind immer da und
immer aussagefähig, auch wenn wir eigentlich laut Teilzeitvertrag schon
längst hätten weg sein müssen. Wir machen es dem Arbeitgeber super
bequem, denn wir sind so zuverlässig und so leistungsfähig, damit ja
keiner uns die Teilzeit zum Vorwurf machen kann. Also schaffen wir einen
Vollzeitjob in 70% der Zeit, nehmen Zusatzaufgaben an und sind immer
da, wenn die Firma uns braucht. Und wir denken – es muss doch jeder
merken, wie gut wir sind.
Pustekuchen.
Bei der nächsten Gehaltserhöhungsrunde werden wir übersehen. Und bei
der Beförderung wird der Kollege vorgezogen. Aber Vorsicht – nicht weil er
ein Mann ist und in Vollzeit arbeitet. Vielleicht auch. Aber viel öfter – weil
wir nichts fordern. Weil wir es dem Chef so leicht machen, uns zu
übersehen, weil er uns längst für eine Selbstverständlichkeit hält – wie eine
Telefonanlage, einen PC, die schließlich genauso zuverlässig arbeiten und
keine Gehaltserhöhung wollen.
Uff. Blöd.
Wie kommen wir denn aus dieser Nummer raus?
Ich habe einige Jahre in einem großen IT Unternehmen in der
Personalabteilung gearbeitet, also kann ich nicht nur von meinen
persönlichen Erlebnissen berichten. Von denen natürlich auch – siehe oben
🙂
Viele Firmen bemühen sich, Frauen gleichberechtigt zu behandeln, oder
bieten sogar spezielle Fördermaßnahmen an. Das finde ich großartig. Nur
was nützt die ganze Mühe, wenn wir Mädels bei einem Vortrag so darauf
achten, dass der Rock am Bauch nicht spannen darf, dass wir nicht genug
Luft holen und dadurch ganz piepsig sprechen? Was macht es beim
Zuhörer für einen Eindruck?
Oder wenn wir beim Vorstellungsgespräch zwar fachlich uns gut
präsentieren, aber zu Terminen zu spät kommen, weil die Schuhe, die
passend zum Outfit von der Freundin ausgeliehen wurden, drücken und
kein schnelles Vorankommen zwischen Gesprächen erlauben? Warum
stellen wir uns selbst so viele Fallen? Und wie kommen wir wieder raus?
Ich verrate ein Geheimnis. Ist ja unter uns 😉
Der Arbeitgeber interessiert sich nicht für das perfekte Outfit beim
Vorstellungsgespräch, zumindest außerhalb der Modebranche.
Den Zuhörern ist es egal, ob wir noch in die Rockgröße 40 reingepasst
haben – wichtig ist nur, ob wir die inhaltliche Botschaft des Vortrags
überzeugend rüberbringen können!
Lieber die Beine auf Schulterbreite, um unseren Standpunkt zu
verteidigen, als ladylike die Knie zusammendrücken und wie ein
Schulmädchen rüberkommen. Denn wer respektiert in der Businesswelt ein
Schulmädchen?
Das alles haben wir dem längst veralteten Bild zu verdanken, wir müssten
brav, adrett und zuvorkommend sein, damit wir von den machthabenden
Personen wohlwollend gesehen und nach altväterlicher Art belohnt
werden. Warst ein braves Mädchen, nimm dir ein Bonbon. Diese Bilder –
bei Frauen wie bei Männern – haben bald ganz ausgedient. Zum Glück.
Denn was in der Wirtschaft zählt ist die Leistung – und noch mehr die
Fähigkeit, diese ins richtige Licht durch entsprechendes Auftreten zu
rücken.
Leider stelle ich mit Entsetzen fest, dass diese Zuvorkommenheit, diese
ich-möchte-es-allen-recht-machen Attitüde so tief bei uns Frauen verankert
sind, dass sogar die junge Generation, die im Moment studiert oder gerade
fertig ist, schon zum Berufsstart die gleichen Fehler macht, wie wir bereits
vor 10-15 Jahren – sich mit einem sehr guten Bachelor in BWL für eine
Assistentinnenstelle zu bewerben, im Praktikum 5 Monate sich mit Telefon
und Kaffeekochen zufrieden zu geben und nur hoffen, dass die Leistung
gesehen und belohnt wird.
Nur leider funktioniert es in der – immer noch
meist männlichen – Berufswelt nicht so. Da ist es ein Zeichen von Stärke
und Kompetenz, Anforderungen zu stellen und zu verhandeln, um das zu
bekommen, was man haben will. Es ist kein Gesichtsverlust, ein ‚Nein’ zu
bekommen – dann muss man eben beim nächsten Gespräch bessere
Argumente haben, um sein Gegenüber zu überzeugen. Auch das muss
geübt werden.
Die gute Nachricht ist – frau schafft das!
Und mit der richtigen Unterstützung sogar viel schneller, als in 10-15 Jahren. 😉
Aber der Anfang liegt bei uns selbst. Wir müssen uns dessen bewusst
werden, was wir als Leistung anbieten – und diese realistisch aber
selbstbewusst vermarkten. Das gelingt umso leichter, je mehr wir von
unseren Fähigkeiten und Kenntnissen überzeugt sind und diese zu
schätzen wissen. Mit einer wertschätzenden und anerkennenden Haltung
uns selbst gegenüber werden wir das entsprechende Bild auch nach außen
ausstrahlen. Und dann wird die angemessene Reaktion der anderen die
Belohnung sein – und diese mit sich bringen.
Also kann ich nur der Aufforderung dieses Blogs auch mein Herzblut schenken:
Sei mutig! Sei großartig! Sei einfach du selbst!
Mehr zu Lora erfährst du auf ihrer Webseite: http://www.ankerstek.de

 

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