Habe Mut, dich deiner eigenen Faulheit zu bedienen

Es gibt Weniges, auf das ich mich mehr freue. Meine Kids machen Luftsprünge, wenn sie es erfahren. Wenn ich diesen Tag ankündige, dann wissen sie, dies ist ein besonderer Tag.

Auf der Suche nach dem Sinn

Irgendwann bemerkte ich, dass nach Wochen vollen Programms und gefühlt nur ein-stündigen Wochenenden, nicht nur meine Jungs, sondern auch ich völlig ausgelaugt waren. Innere Unruhe, Unausgeglichenheit und eine gewisse Gereiztheit machte sich breit. Zudem kamen auch noch Herr Nackensteif und Frau Tinnitus zu Besuch, so dass ich beschloss, dem nicht enden wollenden Prozess ein Ende zu setzen. Das ewige Ackern für den Alltag schien mir irgendwie sinnlos.

Ich zog die Handbremse und erklärte den Sonntag zum „Gammeltag“!

An diesem Tag wurde nichts vorgegeben, gemacht oder geplant. Der Haushalt musste an diesem Tag warten und auch die sonstigen Verpflichtungen wurden auf später verschoben. Es gab nur eine einzige Regel: Jeder gestaltet sich seinen Tag so, wie er es am Liebsten möchte.

Am Anfang gab es noch ein paar Startschwierigkeiten…

Da wurde mitten am Tag nach der Uhrzeit gefragt, oder versucht, die leere Lücke mit irgendwelchen Beschallungsmedien zu füllen. Doch mit der Zeit legte sich auch diese Unruhe und man merkte, dass die Muse bei uns eingezogen war.

Plötzlich entstanden wunderbare Zeichnungen, Projekte wurden ins Leben gerufen oder großartige Ideen entfacht. Künstler, Denker und Gestalter machten unsere Bude richtig lebendig und gleichzeitig waren wir an diesem besonderen Tag so faul wie nie zuvor 🙂

In den Medien liest man öfters über das Entschleunigen, doch wir propagierten den völligen Stillstand!

Und was bringt das?

Kennst du diese Momente kurz vor dem Einschlafen, unter der Dusche oder während der Joggingrunde, in denen dir plötzlich geniale Einfälle kommen oder du endlich die Lösung findest für Dinge, die dich schon seit Tagen beschäftigen?

In solchen Momenten völliger Entspannung schaltet unser Gehirn nämlich um auf einen ganz anderen Modus: den Alpha-Zustand der Konzentration. Ja, du liest richtig. Das ist kein Widerspruch in sich. Völlige Entspannung und höchste Konzentration gehen Hand in Hand.

Wissenschafter konnten nachweisen, dass das Lernen in solchen Momenten am effizientesten ist. Wir sind maximal fokussiert und nichts scheint uns ablenken zu können. Und dennoch sind wir wunderbar entspannt.

Mihaly Csikszentmihalyi beschrieb diese Momente auch als Flow.  Momente, völligen Aufgehens in der Situation und in der Tätigkeit. Gleichzeitig aber auch ein Gefühl der Freude und völliger Aufmerksamkeit.

Wie wunderbar solch eine bewusste Auszeit, Mini-Urlaub, Meditation oder wie auch immer du es nennen magst, sein kann, wussten schon die großen Erfinder in den vorherigen Jahrhunderten für sich zu nutzen. Warum sollten wir also in dieser schnellebigen Welt von heute darauf verzichten?

Ich bin sogar davon überzeugt, dass diese scheinbar sinnlose Zeit eine der kostbarsten überhaupt ist.

Das ständige Antreiben zu mehr Leistung, mehr Vergleich, mehr Materiellem und noch mehr gesellschaftlicher Kontrolle benebelt uns so sehr, dass wir kaum noch uns selbst wahrnehmen.

Die Entscheidung für ein selbstbestimmtes Leben ist meiner Meinung nach auch eine Entscheidung über die eigene Zeit. Wenn du wochentags schon deine Zeit jemand Anderem widmen musst, dann widme doch wenigestens die Zeit am Wochendende dir. Dir und deiner Familie, oder deinen Freunden. Nutze sie, um wirklich Sinn zu schaffen und nicht um weiter zu konsumieren, dich zu messen und zu verausgaben.

Mut zum Faulsein heißt auch Mut zur Lücke. Eine zeitliche Lücke schaffen, die NICHT gefüllt werden muss. Eine Lücke, die bewusst wahrgenommen und genossen werden darf.

Folgende positiven Veränderungen hat es, wenn du Mut zeigst und dich deiner eigenen Faulheit bedienst:

  • Stressempfinden sinkt merklich ab
  • Zeitempfinden verschwindet
  • Wahrnehmen der „natürlichen“, auf unseren Biorhythmus wirkenden Zeit steigt
  • Explosionsartige Kreativität
  • Fokussiertheit auf die wirklich (!) wichtigen Dinge im Leben
  • Gelassenheit kehrt zurück
  • Frau Tinnitus und Herr Nackensteif verabschieden sich langsam wieder
  • Kinder nerven weniger, und du auch 😉
  • Überhaupt lernen die Kids, dass Zeit ,nur mit sich selbst, etwas wunderbares sein kann
  • Deine inneren Batterien sind danach wieder aufgeladen.

Sicherlich kannst du dies nicht sofort machen, wenn deine Kids noch klein sind. Aber auch da gibt es Möglichkeiten, bewusst eine Pause zu machen. Sogar Einjährige können lernen, sich eine gewissen Zeit selbst zu beschäftigen, wenn sie diese freie Zeit täglich „zum Üben“ zur Verfügung haben. Ich hatte dies unbewusst bei meinem Kleinen eingeführt als er noch sehr klein war. Jeden Morgen frisch gewickelt und gefüttert, legte ich ihn für einige Zeit in sein Bettchen zurück und bot ihm ein paar interessante Gegenstände zum Beschäftigen an. Das konnte mal ein Nudelholz sein, eine Rassel, egal was. Hauptsache man konnte es über dem Würmchen an einer Schnur aufhängen, so dass er mit den Händen dran kam. Noch heute zieht er sich liebend gern nach der Schule in sein Zimmer zurück und beschäftigt sich im „Flow“-Zustand mit den Dingen, die er am Liebsten mag.

Fazit

Ein bisschen Mut gehört schon dazu, sich so absolut der Faulheit hinzugeben. Doch wenn du es schaffst, die skeptisch drein blickende Nachbarin auf dem Balkon bewusst zu ignorieren und dich genüsslich auszustrecken, dann kann solch ein Tag eine große Energie- und Inspirationsquelle für dich werden. Vergiss das schlechte Gewissen, das ist eh nur gesellschaftlich geprägt. Und während alle um dich herum stöhnen und jammern, wirst du deinen kleinen Mini-Urlaub genießen. Wer weiß, vielleicht kommt dir ja DIE großartige Idee in den Sinn.

Ich wünsche dir ein wunderbares, faules Wochenende. Genieße es 😉

Auf Karrierebibel.de habe ich einen interessanten Beitrag dazu gefunden. Wie denkst du zu dem Thema?

Sei mutig. Sei großartig. Sei einfach du selbst.

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3 thoughts on “Habe Mut, dich deiner eigenen Faulheit zu bedienen”

  • Dein Beitrag spricht mich sehr an. Ich fahre mittlerweile auch ab und zu mitten in der Woche einen Gang runter. Dann schlafen mein Kind und ich nachmittags auf einmal zwei bis drei Stunden und wir schalten die Klingel aus. Das tut unglaublich gut. Kinderkurse haben wir erst einmal gar nicht mehr. Meinem Kind und mir fehlt in der Hinsicht gerade gar nichts. Ich nehme es lieber mit nach draußen, wo es andere Kinder zum Spielen trifft.

    • Ganz genau!
      Freut mich, dass du das auch so siehst 🙂
      Letztlich erinnern wir uns später nicht an den Tanzkurs, sondern an das tolle Abenteuer am Bach mit der Mama 😉

      Mehr Mut zur eigenen Sicht der Dinge, mehr Spaß an der Einzigartigkeit und mehr Bewusstsein für das, was für einen selbst am wichtigsten ist, das wünsche ich mir für uns Mamas.

Wie denkst du zu dem Thema? Schreibe mir gern deine Meinung :-)

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