Werft eure To-Do-Listen weg!

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Früher habe ich mit großem Eifer To-Do-Listen erstellt. Sobald mir etwas einfiel, was ich unbedingt zu erledigen hatte, kam es auf die universelle Liste. Jede Kleinigkeit, jede zu besprechende Sache, Erinnerungen, nice-to-have-Vermerke, einfach alles! Dies hatte zur Folge, dass die Liste wuchs und wuchs und kaum noch zu bewältigen war. Ebenso wuchs aber auch mein Frust darüber, wenn ich es mal wieder nicht geschafft hatte, die Liste bis zum Abend abzuarbeiten, was immer öfter vorkam. Was also tun? Die Aufgaben mussten ja trotzdem erledigt werden.

Also machte ich mich auf die Suche nach einer besseren Taktik, las Bücher, kaufte mir Kalendare, trug wieder schön alles fleißig ein, markierte Dinge farblich, übertrug es in separate Listen, und…, gab wieder auf.

Irgendwie schienen mir diese Ratgeber nicht wie für mich gemacht. Warum? – Nun, am Ende war ich doch wieder der Depp, der seine hochgesteckten Ziele nicht einhielt. So zumindest fühlte ich mich jedes Mal, wenn ich die To-Dos nicht zu hundert Prozent erfüllt hatte. Es reichte auch nur eine nicht erledigte Aufgabe, um sich so zu fühlen. War dies der Sinn meines Lebens, sich wie der letzte Depp zu fühlen, der es nicht schafft, seine Aufgaben zu erledigen?

Viele Bücher, Versuche und Enttäuschungen weiter, stellte ich eines Tages beim Auflisten all meiner täglichen Tätigkeiten etwas fest: vieles von dem, was ich so selbstverständlich jeden Tag aufs Neue verrichte, müsste ich eigentlich nicht selbst tun. Es wäre zumindest nicht essentiell, dass ICH diese Aufgabe erledige. Genauso gut könnte ich meine Söhne, meinen Mann, Nachbarn oder einen Freund darum bitten, dies für mich zu erledigen. Es gibt also Aufgaben, die ich folglich „freiwillig“ auf meine To-Do-Liste setze, obwohl sie genauso gut jemand anders erledigen kann. Das schlechte Gewissen, den Anforderungen „anderer“ nicht zu genügen und sich stets unter Leistungsdruck zu fühlen, sind also reine Hirngespinnste! Wir gaukeln uns da selbst etwas vor, was so nicht den Tatsachen entspricht! Nicht unsere Ehemänner, Kinder, Nachbarn haben einen Perfektionsanspruch an uns, sondern wir selbst!

Folglich nahm ich mir die Liste meiner täglich durchzuführenden Tätigkeiten vor und zerstückelte sie! Bei jeder einzelnen Tätigkeit überlegte ich mir genau, ob 1. ich diese Aufgabe erledigen muss, weil kein Anderer dies erledigen kann und 2. ich diese Aufgabe erledigen will, weil sie mir persönlich wichtig ist oder eben nicht.

So schaffte ich es spielerisch, dass meine Liste (endlich) wesentlich kleiner wurde 😄 Der schöne Nebeneffekt war auch, dass ich die Aufgaben, die ich nun final auf meiner Liste stehen hatte, als wirklich wichtig oder als sehr angenehm empfand. Die übrigen Aufgaben habe ich bereits beim Wegstreichen weiterdelegiert oder komplett gestrichen! Und das komischer Weise ohne jegliches schlechte Gewissen! Wie einfach es in Wirklichkeit sein kann, wenn man nicht stets versucht, den „offensichtlichen“, doch rein erfundenen Anforderungen anderer zu genügen 😉

Probiert es einfach mal aus:

Schritt 1: Schreibt alle, wirklich ALLE Tätigkeiten auf, die ihr im Verlauf eines Tages so macht. Es sollten mindestens 25 zusammenkommen.

Schritt 2: Streicht nun all diejenigen Aufgaben und Tätigkeiten, von denen ihr denkt, dass

a) sie genauso gut jemand anders erledigen kann (schreibt direkt dahinter, wer dafür prädestiniert sein könnte)

b) sie nicht notwendigerweise erledigt werden müssen, weil ihr es drauf ankommen lasst oder aussitzen wollt oder darauf hofft, dass es sich von alleine löst. – Ehrlich, ich hab schon öfters bewusst das Prinzip des Abwartens angewendet, und zwar so lange, bis die Dinge sich aufklärten und ich dann handeln konnte oder mich darüber freute, dass die Sache sich von alleine in Luft auflöste.

Ich freue mich, wenn ihr mir schreibt, wie ihr mit den Schritten zurecht gekommen seid.

Beim nächsten Blog geht es darum, diese Art des Selektierens in den Alltag zu übernehmen.

Ich wünsche euch zahlreiche neue Erkenntnisse!

Wie denkst du zu dem Thema? Schreibe mir gern deine Meinung :-)

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