10 Fähigkeiten, die du Dank deiner Kinder entwickelst

Bevor du Kinder bekommst, bist du wie ein roher Diamant. Deine Stärken, deine Schwächen, deine Potenziale, sie sind alle da. Aber erst durch die Erziehung eines Kindes wirst du zu dem strahlenden Diamanten geschliffen, der du wirklich bist.

Früher pflegte meine Mutter immer zu sagen: „Wart’s mal ab, wenn du selbst Kinder hast. Dann wirst du sehen, wie das ist.“ Ich dachte mir damals meinen Teil, war ich doch schwer von meiner Meinung überzeugt. Heute als Mami denke ich da schon anders darüber nach.

Aber schauen wir uns mal an, was das Kindererziehen für tolle Effekte für uns hat und was wir sogar von unseren Kindern lernen können. Folgende, nicht zu leugnende Kompetenzen entwickelst und stärkst du, in dem du Kinder erziehst:

1. Durchsetzungsvermögen

Dein Sprößling steht schon wieder vor dir.  Mit den süßen Äuglein und dem zum dahinschmelzenden Blick bettelt es um einen dritten Süßi. Eigentlich hattest du eben nein gesagt, aber dieser Hinweis scheint sich in Luft aufgelöst zu haben. Da steht du nun da und bist hin- und hergerissen. So ein liebes „Bitte“ raubt dir die letzte Strenge. Im letzten Moment, kurz bevor du nachgeben willst, besinnst du dich deiner Überzeugung, dass zu viele Süßis deinem Kinde nicht guttun. Mit Überzeugung antwortest du: „Nein. Und das ist das letzte Mal, dass du kommst. Morgen darfst du bestimmt wieder ein Süßi haben, für heute ist aber Schluß!“ Das nennt man Durchsetzungsvermögen trotz widriger Umstände.

2. Empathie

Dein Kind kommt mies gelaunt aus der Schule und schweigt. Du spürst sofort, dass etwas nicht stimmt. Auf dein Nachfragen hin kommt nur ein Schulterzucken heraus. Jetzt ist Fingerspitzengefühl gefragt. Du machst zuerst einen kleinen Snack, bittest dein Kind Platz zu nehmen und dann wagst du einen erneuten Anlauf. Du plauderst über dies und das, stellst eine banale Frage zu einem beliebigen Thema, ersuchst Rat und fragst, was dein Kind davon hält. Und dann fängt es endlich an zu reden. Zunächst sprecht ihr über dein Thema, dann schweigst du und wartest ab. Wenn die Spannung für dein Kind zu groß wird, dann fängt es spätestens jetzt von alleine an zu erzählen. Du schweigst weiter und hörst aufmerksam zu. Manchmal reicht dies schon, das dein Kind sich besser fühlt. Ein andermal ist echter Trost mit gaaaanz viel Nähe gefragt. Du lotest aus, was in welcher Situation am Besten für dein Kind ist. Du hast gelernt, dich in eine andere Person hineinzuversetzen und die Gefühle richtig zu deuten. Ebenso hast du gelernt, auf welche Weise du in welchen Momenten wie mit deinem Kind sprechen solltest. Von liebevoll bis IN ALLEN GROßEN BUCHSTABEN hast du dein Repertoire an möglicher Kommunikation erweitert. Deine Fähigkeit, dich in andere Personen hineinzuversetzen ist immens gestiegen.

3. Willensstärke

Eigentlich war dieses Pensum nicht zu schaffen. Die Leute um dich herum sagten dir, dass es unmöglich sei, all das zu schaffen. Und dennoch. Du hast es geschafft. Und warum hast du es geschafft? – Weil du den Willen dazu hattest.
Vor ein paar Jahren hatte ich solch eine „unmöglich-zu-schaffende“-Phase. In den letzten Zügen meines Studiums hatte ich für anstehende Klausuren zu lernen, einen trotzigen Vierjährigen zu versorgen, einen zu stillenden, wenige Wochen alten Säugling und eine für den Umzug vorzubereitende Wohnung. Mein Mann hatte damals wochentags im Ausland gearbeitet und wir hatten keine Familie oder dicke Freunde, die uns/mich unterstützt hätten – es war ein Lebensabschnitt, wo wir öfters umgezogen sind und schlichtweg noch niemanden so gut kannten. Wie hatte ich all das dennoch geschafft? – Wie mir heute nur allzu bewusst ist, entwickelte ich in diesem Lebensabschnitt enorm viel Willensstärke. Nur mit dem festen Willen, etwas unbedingt schaffen oder tun zu wollen, kannst du deine Ziele oder Pläne auch erreichen. Du bist sogar so sehr davon überzeugt, dass du gar nicht auf das Geschnatter der Anderen hörst. Stattdessen machst du mit noch mehr Überzeugung weiter. Solange, bis du es schaffst. Noch ein Pluspunkt für dich.

4. Demut

Kennst du dieses Gefühl? Dein Sprößling liegt in deinem Arm und schläft ganz friedlich. Voller Bewunderung geht dir dein Herz auf und du staunst darüber, was für ein Wunder du geschaffen hast. Du siehst dein Kind wachsen und gedeihen, und staunst noch immer. Und plötzlich fallen dir wieder diese besonderen Momente ein. Momente, die bis in die Ewigkeit in deinem Gedächtnis eingebrannt sein werden. Momente, von denen du weißt, dass du unendlich dankbar bist, sie erlebt haben zu dürfen. In solchen Momenten verbeugst du dich innerlich vor diesem Wunder und bist dankbar für diese Erfahrung. Du bewunderst die Kraft des Lebens und wirst ganz demütig vor lauter Respekt, den du empfindest. Dieses Dankbarkeitsgefühl hast du nicht oft, aber wenn es kommt, dann spürst du diese Verbundenheit mit der Kraft des Lebens. Du besinnst dich zurück auf die Dinge, die wirklich wichtig sind im Leben und all die anderen Dinge relativieren sich auf ein einziges „Nice-to-have“.

5. Stresstoleranz

Wie viele Termine hast du maximal geschafft an einem Tag abzuklappern und dabei noch mindestens vier verschiedene Rollen eingenommen? Nichts außergewöhnliches für dich? Ist doch normal, nicht wahr? Tatsache ist, dass das Dasein als berufstätige Mutter eines der stressigsten Jobs der Welt ist. Vielleicht nicht unbedingt in Bezug auf den Schwierigkeitsgrad der Aufgaben, sicher aber wegen der vielen Situationen, die ein blitzschnelles Umschalten zwischen den verschiedenen Rollen und Anforderungen erfordern. Was meinst du, warum uns Frauen sonst so viel Empathie-Vermögen zugeschrieben wird? Männer sind manchmal allein schon mit einer (!) zusätzlichen Rolle überfordert, wenn sie zum Beispiel abends nach Hause kommen und ihre Kinder sie erst mal mit ihrem Geplapper bombardieren. Ehrlich, ich genieße solche Tage, wenn ich mich nicht um all das Drumherum kümmern muss und „nur“ abends nach Hause kommen kann. Herrlich. *grins*

6. Kreativität

Dein Kind macht sich unterwegs aus Versehen in die Hose. Was tust du?
Andere Situation: Du bist mit deinem Säugling auf einem langen Spaziergang. Plötzlich brüllt das Kleine, weil die Windel voll ist und du hast keinen Ersatz mit. Wie löst du das Problem?
Blitzschnell wägst du alle erdenklichen Lösungswege ab,  lernst zu improvisieren und legst voreilige Bewertungen ab, um mehr Möglichkeiten zu erkennen. Du lernst, wie der wahre Prozess der Kreativität funktioniert, und das auf ganz natürliche Weise. Dafür musst du weder einen teuren Kurs besuchen noch lernen, wie man Ideen generiert. Du machst es einfach. Schlichtweg, weil du gezwungen bist, maximal kreativ zu denken.

7. Verhandlungsgeschick

Es ist wieder soweit. Schön war die „ruhige“ Phase deines Kindes, wo es ausgeglichen und in sich ruhend wirklich pflegeleicht war. Doch nun überrascht dich der nächste Umbruch. Dies merkst du daran, dass dein Kind „mal wieder“ eigentlich bereits geregelte und fest verankerte Regeln über Bord wirft. Durch das aufmüpfige Verhalten „verhandelt“ es seine Position neu und erwartet eine „angepasste“ Stellungnahme von dir. Argumente gehen hin und her und du musst wieder neu überlegen, was dir wichtig ist, und wo du bereit bist, Kompromisse einzugehen. Der Clou während dieser Verhandlungsphase ist dabei, dass du bei den Sachen, die für dich unverrückbar sind, wirklich standhaft bleibst. Ich finde, dies ist eine der schwierigsten Aufgaben des Elterndaseins überhaupt. Doch auch dies meisterst du mit Bravour und du und dein Kind geht gestärkt aus dieser Phase hervor.

8. Strategisches Denken

Unterstützt du dein Kind beim Lernen? – Ich mache dies nicht nur, weil mein Sohn eine etwas andere Art zu Lernen braucht, sondern auch weil ich dies gern tue. In dem Bewusstsein, was das Kind braucht und wo es hingeht, entwickelst du die vielfältigsten Strategien, um es auf seinem Weg bestmöglich zu unterstützen. Wenn es ein Intersse zeigt, hilfst du, es zu einem Hobby zu entwickeln. Wenn es Schwierigkeiten hat, suchst du nach Wegen aus dem Gewusel heraus. Wenn es einen Wunsch äußert, überlegst du, was du tun könntest, damit es auf dem Weg noch dazulernt. Du entwickelst Pläne, wann dein Kind einen Schwimmkurs beendet haben sollte, damit es im nächsten Urlaub bereits schwimmen kann. Du organisierst die Ferienbetreuung für die Sommerferien bereits im Jahr davor, wohlwissend, dass deine Gehilfen sich den Urlaub im Voraus beantragen müssen. Und noch vieles mehr.
Denk ja nicht, dass du nicht strategisch denken und planen kannst, nur, weil du kein Projektmanagement-Studium abgeschlossen hast. Deine strategische Erfahrung ziehst du aus deiner „Lebenserfahrung“, nicht aus den Büchern.

9. Organisationstalent

Ich glaube, du hast bereits die eine oder andere Geburtstagspartie von deinen Kids organisieren dürfen, nicht wahr? – Angefangen bei den möglichst originellen Einladungskarten, fortgesetzt beim Rahmenprogramm für den Tag, vollendet in der bis ins kleinste Detail geplanten Reiseplanung der eingeladenen und eigenen Kinder, hast du wirklich an alles gedacht. Dass meist immer etwas fehlt oder nicht so läuft, wie gedacht, gehört zu Kindergeburtstagen genauso gut dazu, wie der Gedanke, dass dies der letzte Geburtstag war, den du eigenhändig organisiert hast. Nächstes Jahr machst du es ja doch wieder, deinem Liebling zu liebe, aber das tut nichts zur Sache.
Jedenfalls bist du nach einigen Jahren und weiteren Kindergeburtstagen routinierter und gelassener, und die Organisation klappt auch von Mal zu Mal besser. Wie gut, dass du gelernt hast, zu organisieren, jetzt kann dich so schnell nichts mehr überraschen.

10. Vernetztes Denken

Kinder haben vielfältige Interessen und manchmal findest du dich als Taxifahrerin wieder, die deine Kinder nur noch von A nach B fährt, und das tagein, tagaus. Aus reinem Selbsterhaltungstrieb heraus suchst du nach Möglichkeiten, wie du nicht nur für dich, sondern auch für Andere eine Erleichterung und Zeitersparnis schaffen kannst. Du baust Fahrgemeinschaften auf, gibst Empfehlungen für Andere weiter und verplanst die Spielzeiten deiner Kinder mit Freunden so, dass du Zeit für das andere Kind zum Vorbereiten für Klassenarbeiten hast. Das ständige Aufnehmen von Informationen aus unterschiedlichsten Bereichen ist für dich selbstverständlich, so dass du die gesunde Einstellung hast, dass man nie genug wissen und immer dazulernen kann.

Sicher gibt es noch weitere Kompetenzen, die du in deiner Elternrolle und im Leben mit Kindern entwickelst. Ich finde es wichtig, sich dieser Stärken bewusst zu sein. Im Berufsleben wird viel von bestimmten Qualifikationen gesprochen. Doch auch Unternehmen kommen langsam zu der Einsicht, dass ein hochqualifizierter Arbeitnehmer nicht unbedingt besser sein muss wie jemand, der entsprechend Lebenserfahrung mit vielfältigen Menschen und Herausforderungen sammeln konnte. Sich in Andere hineinversetzen, kooperieren können, ein vernetztes Team aufbauen und auch bei größeren Hindernissen beharrlich bleiben sind Charaktereigenschaften, die du erst als Mutter oder Vater wirklich „begreifst“ und sie auch „lebst“. Die Welt hat genug von arroganten „Möchtegern-Schlaumeiern“, die gerne viel reden, sich aber nicht an ihr eigenes Wort halten. Sie sollten mal erleben, es zu versuchen, einem Trotzkind etwas zu versprechen, und es dann nicht einzuhalten!

In diesem Sinne sei stolz auf dich und deine kleine Familie und kämpfe für dein Recht, dein Leben so zu gestalten, wie du es für richtig und bedeutsam hälst.

Sei mutig. Sei großartig. Sei einfach du selbst.

 

 

 

 

 

Wie denkst du zu dem Thema? Schreibe mir gern deine Meinung :-)

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